Santa claus is coming to town – brass for four

Ihr braucht noch ein Arrangement von Santa Claus is coming to town für vier Blechbläser a. k. a. Posaunenchor oder vergleichbare Instrumente? Nehmt das:

Noten für Santa Claus is coming to town für 4 Instrumente Seite 1
Santa Claus is coming to town für 4 Instrumente Seite 1
Noten für Santa Claus is coming to town für 4 Instrumente Seite 2
Santa Claus is coming to town für 4 Instrumente Seite 2

Und hier gibt’s das ganze noch als pdf-Download.

Ho, ho, ho!

Was ich esse (XIV): Rehfilet mit Portwein-Orangen-Sauce

Für 2 Personen

Zutaten

Für die Sauce

  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1/2 Saftorange
  • 150ml Portwein (o. Rotwein)
  • 250ml Wildfond (o. ä.)
  • 1-2 EL Orangenlikör
  • 1 TL Weingelee (o. Honig)
  • 1-2 EL Saucenbinder
  • ggfs. ein wenig Sahne

Für das Fleisch

  • 6 Rehfilets o. 300g Rehrücken
  • Salz, Pfeffer, 1 EL Piment

Beilage: Spätzle, Rotkohl

  1. Für die Sauce Rosmarin waschen. Saft der Orange auspressen. Mit 150 ml Portwein, Wildfond und Rosmarin bei starker Hitze aufkochen und bei mittlerer Hitze in 5 Min. auf knapp die Hälfte einkochen lassen. Beiseite stellen.
  2. Je nach Garzeit Spätzle und/oder Rotkohl anstellen.
  3. Das Fleisch würzen. Butter in einer großen Pfanne stark erhitzen. Filet darin ca. 2 Min. rundherum scharf anbraten, bei schwacher Hitze fertig braten, dabei einige Mal wenden. Das Filet in Alufolie wickeln und warm stellen. Achtung: Reh ist SEHR schnell zu gar!
  4. Bratfett mit l EL Orangenlikör ablöschen. Reduzierten Portwein-Fond angießen und aufkochen, nach Belieben noch würziger einköcheln lassen. Rosmarin rausfischen. l EL Saucenbinder in den kochenden Fond rühren. Falls nötig, mehr Saucenbinder venvenden. Mit Salz, Weingelee und eventuell noch Sahne und/oder etwas Portwein oder Orangenlikör abschmecken. Mit gefrorener Butter abglänzen.
  5. Das Filet auswickeln, den Bratensaft zur Sauce gießen. Das Fleisch ggfs. in dicke Scheiben schneiden und auf vorgewärmten Tellern mit der Sauce servieren.

Geht auch mit Lamm.

Was ich esse (XIII): Pfifferlingssauce

Zu Bandnudeln

  • 200g Pfifferlinge
  • 2 kl. Schalotten
  • 50g Speck
  • Cognac, Noilly Prat o. ä.
  • 1 EL Thymianblättchen
  • 3 EL Petersilie
  • 50g dunklen Traubensaft oder Rotwein
  • 100g Sahne
  1. Für den Saucen-Klassiker 200 g Pfifferlinge putzen, Stiele kürzen. Mit 1 EL Mehl bestäuben (bindet Schmutz), in stehendem Wasser waschen, abbrausen und abtrocknen.
  2. 2 kleine Schalotten schälen, würfeln. Speck würfeln. Pfifferlinge eventuell halbieren, mit Schalotten, 1 EL Thymianblättchen, etwas Speck und 3 EL gehackter Petersilie in 1 EL Öl anbraten. 
  3. Mit 1 Schuss Cognac (oder ähnlichem) vorsichtig ablöschen. 50 ml dunklen Traubensaft oder Rotwein und 100 g Sahne dazugießen, in 3-5 Min. cremig einköcheln lassen.
  4. Sauce mit Salz und Pfeffer würzen, sofort servieren.
  5. Vegetarier verzichten natürlich auf den Speck und würfeln ein oder zwei getrocknete Tomaten.

Ihr Kaffee wartet auf sie

Neulich war es etwas ungewöhnlich. Es musste getankt werden, allerdings war ich der Beifahrer und – auch das ungewöhnlich – ich hatte keinerlei Lust auf Soziale Medien und das Smartphone, also ließ ich den Blick schweifen und stieß auf eine Schild mit den Worten: „Ihr Kaffee wartet auf sie!“, begleitet vom Foto eines mit Latte Macchiato gefüllten Glases. Nun muss man wissen, dass die dörfliche Tankstelle sehr klein ist und der Innenraum auf der einen Seite beherrscht von Süßigkeiten, auf der anderen von Zeitschriften. In einer kleinen Ecke versteckt sich ein Kaffeeautomat der Art, wo man fürchtet, dass der Kaffee nach Tomate schmeckt, weil vorher eine Tomatensuppe vom Automat bereitet wurde. Da stellten sich mir Fragen:

  1. Woher hat Shell meinen Kaffee? Die sollen nicht in mein Haus, da bin ich strikt dagegen!
  2. Ich mag gar keinen Latte Macchiato, warum behaupten die dann, es sei mein Kaffee?
  3. Kaffee aus dem Glas mag ich hingegen sehr. Einen Kaffee aus dem Glas traue ich der Tankstelle nicht zu. Ist es etwa Trug und ich bekomme meinen Kaffee aus fremden Pappbechern?
  4. Ich glaube sogar, dass die Herrschaften möchten, dass ich für meinen Kaffee bezahlen muss. Das wäre schon frech, nein?!
  5. Warum fragt man so etwas alles nicht einfach mal?

Nie ist das Känguru da, wenn man es braucht.

Was ich esse (XII): Zitronenrisotto

Wenn einer feinsten grünen Spargel hat, muss er ein Zitronenrisotto erfinden. Machste nix.

Zutaten

  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Zwiebel/Schalotte
  • 1 Frühlingszwiebel
  • 1 Msp. Kurkuma
  • 300g Risottoreis
  • 1L Hühnerbrühe
  • 1 großzügiger Schluck Weißwein
  • einige Pinienkerne
  • Zitronenschale oder Zesten und Saft einer halben Zitrone
  • Pfeffer & Salz
  • 4 EL geriebener Parmesan (mindestens)
  • Butter
  • einige Blätter Basilikum

Zubereitung

  1. Knoblauch und Zwiebel fein hacken, Frühlingszwiebel schräg in feine Ringe schneiden. Parmesan reiben, Basilikum waschen und nach belieben schneiden.
  2. 1 EL Butter schmelzen, Knoblauch, Zwiebel, Frühlingszwiebelringe und etwas Zitronenschale/-zesten darin anschwitzen.
  3. Risottoreis dazugeben, bis er glasig wird, dann mit Weißwein abgießen.
  4. Pinienkerne in eine Pfanne geben (einen Boden voll) und bräunen. Achtung, sie verbrennen leicht.
  5. Die Messerspitze Kurmkuma dient einer leichgelben Farbtönung. Man kann es weglassen, dann wird’s weiß oder mehr dazugeben, dann wird’s gelber.
  6. Nun nach und nach die Brühe zugeben und verkochen lassen, immer bis es „schlorkt“. Wenn der Reis leicht bissfest ist, ist das Risotto fertig.
  7. Dann nicht mehr kochen, den Parmesan und den Rest Zitronenschale/-zesten reinrühren und mit Pfeffer&Salz und Zitronensaft abschmecken. Ein paar Butterflöckchen und die Pinienkerne einrühren.

Schmeckt zu feinem grünen Spargel und Pinot Gris.

In da club

Nehmen wir mal an, Sie betreiben seit Jahrzehnten erfolgreich einen Club. Angefangen hat es in der Love&Peace-Euphorie der frühen House-Szene, die Leute strömten rein, ihre Stamm-DJs hatten gut zu tun und Sie selber mussten nicht mehr machen als aufzuschließen und da zu sein.
Aber ihr Publikum alterte, man bekam Kinder, die Wirtschaftslage tat ihr übriges und die Besuchszahlen schwanden. Als dann ihr Haupt-DJ ging, verfielen sie auf die Idee, Musik von den Besuchern machen zu lassen, denn der andere DJ hatte nicht mehr so regelmäßig Zeit. Kam nich so gut an. Außerdem ließen Sie einige Renovierungsschritte sein. Im Winter, wenn die Heizkosten anstanden, verlegten sie alles in den Partyraum, der etwas kleiner und nicht so prachtvoll war, aber für die Besuchermenge reichte. Später dann, als es noch weniger Besucher wurden, taten sie sich mit dem Club aus der Nebenstraße zusammen, der unter den gleichen Problemen litt. Nun fanden ihre Partys abwechselnd mal hier, mal dort statt. Dort allerdings war der Beginn etwas später. Manche Besucher schreckte das ab, als sie dann wiederholt frierend vor der verschlossenen Tür standen. Darauf hatten Sie keinen Bock mehr, auch Sie sind schließlich älter geworden, da kümmert man sich um sein Sofa lieber als den Grüß-Onkel zu geben.
Richtig begeistert war dann auch niemand, als der letzte DJ ging und Sie die neue Zeit nutzten und eine Spotify-Liste anstellten. Als Sie zum letzten Mal den Schlüssel im Schloss umdrehten konnten Sie gar nicht verstehen, wie das alles gekommen war.

Das klingt sehr unrealistisch, oder?! Da weiß doch jeder, das man jeden Besucher werben würde; die Räume müssten Chic sein, der Chef präsent, der DJ auf der Höhe der Zeit; da ist doch jedem klar, dass der Spirit um jeden Fall erhalten sein muss; da muss die Bude geöffnet sein, wenn die nostalgische Partycrowd vor der Tür steht.

All das ging mir durch den Kopf, als ich in der Landgemeinde vor verschlossener Kirchentür stand. Ich wollte ganz spontan, nach Monaten, mal wieder vor Ort in die Kirche. Das Kirchenblatt hatte ich dummerweise ignoriert, in dem genau steht, wann an welcher Stätte im Landkreis denn welche Form von Gottesdienst statt findet.
Das ging mir auch durch den Kopf, als ich mit Kirchenmusikskollegen über den Umgang mit ihnen und die Bezahlung von ihnen sprach; das ging mir durch den Kopf, als zur Rettung der Kirche mal wieder die Popmusik auserkoren wurde (über den inhaltlichen Unsinn des Sakro-Pop-Schlagers „Wo Menschen sich vergessen“ rante ich demnächst mal).
Vielleicht unterscheidet sich Kirche ganz generell von Clubs und vielleicht muss nicht jede Kleinstgemeinde ihren Gottesdienst erhalten. Vielleicht aber wollen Gottesdienstbesucher etwas, was so leicht vergessen wird: einen feierlichen Ort, angemessene, verkündigende Musik und den Bezug zum Wort, klug und inhaltsvoll vorgetragen von Fachpersonal. Vielleicht scheitert es aber genau daran, am Fachpersonalmangel. Vielleicht bedingt das eine aber auch das andere. Könnte man mal drüber nachdenken.

Fünf Stunden Arbeit am Tag sind genug – wenn man es sich leisten kann

In der von mir besuchten Medienwelt kursieren Meldungen über einen Bielefelder Agentur-Chef, der seinen Angestellten bei vollem Lohn ermöglicht, nur fünf statt acht Stunden zu arbeiten. An anderer Stelle redet man davon, dass gar vier Stunden Arbeit pro Tag genug sind.

Exkurs: Gleichzeitig mehren sich die Meldungen, dass die Stadt Bielefeld 25 Jahre Bielefeld-Verschwörung feiert.

Das klingt ja auch wirklich verlockend, nach fünf Stunden lässt man den Hammer fallen und geht in einen ruhigen Nachmittag, hat Zeit für Familie, Freunde und Hobbies. Vor allem in den körperlich anstrengenden Berufen wäre das ein Traum. All die Handwerker, die früh mit körperlichen Leiden zu tun haben sitzen nicht mehr beim Orthopäden, ebensowenig die Pflegekräfte. Kaufhaus-Angestellte würden noch etwas Sonne sehen und auch für die Arbeitslosenquote wäre das natürlich gut; allerdings müssten mehr Menschen in Schichten arbeiten. Trotzdem: Tolle Idee!

Nun gab es neulich ein Radio-Interview mit dem begeisterten Agentur-Chef, der natürlich auch ein Buch darüber geschrieben hat. Hier war die erste Einschränkung zu diesem Modell, dass es genau für die oben beschriebenen Arbeiten eben nicht gedacht ist. Fünf Stunden Arbeit reichen natürlich nur für „Wissens-Arbeiten“. Schade für all die Paketfahrer und Mindestlohnverdiener.

Grundlage ist, dass man zu den Wissensarbeiten Studien gibt, die zeigen, dass ein Großteil der Arbeitszeit mit Pausen, Gesprächen mit Kollegen und Ablenkungen wie Konferenzen besteht. Richtig konzentriert und effektiv arbeitet man ca. zweieinhalb Stunden bei einem Acht-Stunden-Tag. Also beschloss jener Chef, dass Pausen und Gespräche wegfallen, man Konferenzen und Besprechungen so kürzt, dass man beim Thema bleibt und fünf Stunden ohne Pause man Stück arbeitet. Nur Raucherpausen sind erlaubt, weil dann die Mitarbeiter im Prozess feststecken würden und Zeit zum Denken bräuchten. Alle anderen würden ja um 13 Uhr Schluss machen und am Nachmittag über die entstandenen Probleme nachdenken. Na? Merken sie was?

Zweieinhalb Stunden sonst, jetzt fünf? Am nächsten Tag mit Lösungen kommen?

Reichten sonst noch Kickertische und Club Mate in den Shared Spaces um die Reklame-Praktikanten in Start-Ups auszubeuten (diese Wörter, mon dieu!), ist es nun ein weiterer Schritt, den Feierabend in den häuslichen Bereich zu verlagern unter dem Deckmantel einer vermeintlich modernen Menschlichkeit. Wie bei so vielen modernen Managementtheorien geht es wieder nur um Optimierung, Profitsteigerung und Ausbeutung. Andere Studien zeigen nämlich, dass es durchaus sinnvoll ist, alle Stunde seine Arbeit kurz zu unterbrechen, mit anderen zu reden, Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und das benötigt – wie könnte es anders sein – Zeit.

Es gibt übrigens es schon eine Berufsgruppe, die fünf Sunden am Stück eine Gruppe von 30 Leuten unter geistiger Hochleistung und ohne Pause anleitet, fortbildet und betreut, um alle weitere Arbeit im Homeoffice zu erledigen. Aber dieser Gruppe spricht man aber eine gewisse Faulheit und Neigung zum Klagen ohne zu Leiden zu; man spricht von „vormittags recht und nachmittags frei“.
Das würde man über eine Agentur unter so modernen Führung natürlich nie sagen.

Sylter Systemgastronomie

Es war wohl in der Zeit, als auch die kleineren Städte beschlossen, dass eine Markthalle die Innenstadt erheblich aufwerten würde, was dann mit viel finanzieller Unterstützung umgesetzt wurde, nie zum Erfolg führte und die alteingesessene Gastronomie so nachhaltig schädigte, dass schnell Platz für Schnellrestaurants wurde. In dieser Zeit traf ich das erste Mal auf Sylter Systemgastronomie. Sylt, dass war diese Insel, auf die die Mutter eines Freundes immer fuhr, mit dem Cabrio und dem lustigen schmalen Aufkleber neben dem Nummernschild. Ganz so, wie es Florian Illies später in Generation Golf beschrieb. Nun konnte diese Mutter endlich auch außerhalb von Sylt in diesen Laden, in den immer alle gingen und dort eine Krabbensuppe essen und dazu Champagner trinken. Sie war eine der wenigen. Allerdings wirkte der Laden recht exklusiv in der Stadt, dass er in jeder weiteren größeren Stadt mal ein bis zwei Filialen haben sollte, wer konnte das schon ahnen.

Nun ergab der Urlaub eine Reise durch Schleswig-Holstein und dort war neben dem bekanntesten Vertreter des Sylter Systems auch die ein oder andere Lokalität zu finden, die sich ebenfalls damit rühmte, von der mondänen Insel zu stammen.
Sylt, das ist schicke Autos, Champagner, wilde Parties, FKK und was weiß ich noch, ich war dort ja nie, mir reichte es, dass die Ärzte in den 80ern von Westerland sagen und später auch Reinhard Mey dazu etwas beitrug. Dieter Bohlen warb für die Sansibar, all das verleidete mit die Reiselust dorthin schon sehr. Sylt wirkt auf mich wie ein vergangener Glanz aus den 60ern und zwar nicht in der coolen James-Bond-Ästhetik.
Das geht vielen wohl nicht so, denn die Lokalitäten entlang des Wegs waren voll, voll mit Menschen aller Jahre, deren Frauen vor allem viel Gold an allen möglichen Stellen trugen und Tigerprint dazu, während die Männer gerne weiße Shorts um ihre schlacksigen Beine schlottern ließen. Man war berreit für das Sylter Erlebnis Preise zu zahlen, die der vermeintlichen Mondänität angepasst schienen.

Um es kurz zu machen: In einem Lokal habe ich gegessen und noch nie habe ich ein Essen so schnell wieder zurückgehen lassen. Vor einem anderen Lokal warf ich kurz einen Blick auf die Karte und dann auf den Veneziano, den alle so falsch als Aperol Sprizz bezeichnen. Etwas verblasst wirkte er für die hohe Summe.
Die von Italienern betriebene Bar nebenan konnte diesen Farbton besser und alles andere auch. Außerdem hatte man dort seine Ruhe. Win-Win, würde ich sagen. Und Sylt, nix für ungut, aber ich werde dich wohl nie besuchen.

SIE sind musikalisch degeneriert

Das tut mir sehr leid, das schreiben zu müssen, aber irgendwie müssen Sie es ja mal erfahren. Sie werden es auch nicht gerne hören, es ist aber wahr. Ich möchte mich auch gar nicht über Sie stellen, schließlich bin ich selber sehr eingeschränkt im Musikvertsändnis, denn – das beruhigt Sie vielleicht – es liegt nicht an Ihnen, sondern an unserer Kultur.

Nun ist es schade um die viele Zeit, die Sie in Ihre musikalische Bildung investiert haben. Sie kennen natürlich alle Stars Ihres Lieblingsgenres, aber auch einige stille, unentdeckte Perlen. Sie schauen natürlich auch über den musikalischen Tellerrand, auf die benachbarten Genres sowieso; es gibt aber auch eine Musikrichtung, die finden Sie gut, obwohl sie so ganz anders ist. Dieses andere Genre haben sie auch mal angehört, aber ganz ehrlich, so richtig mögen Sie das nicht (muss ja auch nicht, man muss nicht alles mögen). Vielleicht machen Sie sogar selber Musik, singen oder spielen ein Instrument; oder nutzen Sie gar alternative Möglichkeiten, Musik zu machen, elektronische Klangerzeugung oder etwas ganz anderes?
Sie erkennen natürlich Dur und moll und Sie wissen, dass es fröhlich oder traurig klingt; auf 2 und 4 Klatschen können Sie auch (auch, wenn Sie denken, Sie würden damit die schweren Zeiten anders betonen, was natürlich Quatsch ist). Also?!

Dur und moll, ja, da ist genau das Problem. In der westlichen Kultur sind vor allem die Erfindung des Klaviers und die erfolgreichen Kompositionen für das Wohltemperierte Klavier von Bach für die Reduzierung der Tonkultur verantwortlich. Ja, genau der Johann Sebastian, der weltweit als einer der größten deutschen Musiker gefeiert wird und dessen Text des ersten Satzes des Weihnachtsoratorium sie in den Sozialen Medien sofort zitieren können, sobald jemand „Jauchzet“ schreibt. Das ist ein großes Hallo, sicher, aber die Halbtonschritte auf dem Klavier sind nur ein Kompromiss und haben unser harmonisches Verständnis massiv eingeschränkt. Unsere Hörgewohnheit sind seither nicht mehr die reinen Harmonien, sondern, nun, Kompromisse. Ihr Rhythmusempfinden ist allerdings schon länger degeneriert, schon in der Renaissance mochte man das Verhältnis von 2 zu 3 (schauen sie mal auf Kirchenfenster dieser Zeit) und in der Kirchenmusik ist die 2er-Gruppe die irdene, schwere Zeit, der 3er die himmlische, leichte Takteinteilung. Überhaupt Takte, was für eine Idee! Letztlich finden wir aber den 4-Viertel-Takt ganz gut oder halt den Walzertakt. Vielleicht grad weil der 4er so archaisch ist, ist er bei uns so erfolgreich, man blicke nur mal auf den Techno. Gut, sie kennen jetzt auch Dave Brubecks Take Five oder auch Lalo Schifrins Theme for mission impossible, aber das ist ja auch recht bekannt. Was halten Sie eigentlich von Dream Theaters Erotomania? Könnten Sie da die Taktaufteilung bestimmen?

Bevor hier alle über mich herfallen, stellen Sie sich doch mal diesen Fragen:

  • Kennen Sie Berlioz Symphonie Fantastique? Könnten Sie den Anfang pfeifen?
  • Le sacre du printemps: Unhörbar oder ein gewohnter Klassiker der Avantgarde?
  • Cages 4‘33“: Musikalischer Witz oder ernsthafte Musik?
  • Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal auf einem Konzert für Zeitgenössische Musik? Mit Absicht? Haben Sie Gelacht oder wurden ihr Geist erhellt?
  • Waren Sie mal bei einer Uraufführung dabei?
  • Haben Sie schon mal alte byzantinische Kirchenmusik gehört? Hören Sie da die Verwandtschaft zu arabischer Musik?
  • Können Sie eigentlich Vierteltöne singen?
  • Etwas weiter nach Asien: Peking-Oper? Yay or nay?
  • Apropos Asien: Kennen Sie einen alten chinesischen Meister und wissen Sie, für welche Instrumente komponiert wurde?

So könnte man ewig weitermachen, aber warum provoziere ich Sie eigentlich durchgehend?
Musik wird oft dazu benützt, um sich von anderen abzuheben, Musikwissen als Alleinstellungsmerkmal. Du bist, was du hörst. Hörst du das Falsche, bist du nichts.

Schlager hat da keinen großen Stellenwert, mit Rap erhöht man allenfalls die street credibility; Klassikhörer haben sicherlich eine finanzielle Sicherheit, werden aber durch ihre Abos auch musikalisch auf die sichere Seite gestellt. Jazz ist da avantgardistischer, verfehlt aber auch das Primat der Tanzbarkeit, ach, die Liste ist lang.
Können Sie sich Angela Merkel auf einem 3-Tage-Rave vorstellen? Die Lochis in der Philharmonie? Mario Barth gepflegt mit Rotwein auf der Couch und Jazz aus der Linn-Anlage? Warum eigentlich nicht? Wäre das nicht nett, diesen Leuten soviel mehr zuzugestehen, als das mediale Bild zulässt?
Musik sollte Neugier wecken, Freude erzeugen, Spaß machen, Begegnungen fördern. Das, was Madonna beim ESC sagte, das ist wichtig (sie wissen, was dann passierte)!

Für Neugier, Offenheit, Freude müssen wir aber erkennen, dass wir nicht die Krone des Musikwissens sind, es geht nicht nur um ich und mich; andere machen es anders und dieses Andersein muss man akzeptieren. Mehr über Musik zu wissen ist nie schädlich, wir können daran nur wachsen, immer nur selber besser werden: als Hörer, als Musiker, als Kennern, als Mensch. Wer an dieser Stelle den Zusammenhang zu größeren, wichtigeren Dingen als Musik entdeckt: ja, darauf wollte ich hinaus.

Bleiben Sie also neugierig. Bleiben Sie offen. Freuen Sie sich am Neuen. Es gibt viel zu entdecken!

Kulinarische Katastrophen

Formschub fragt nach kulinarischen Katastrophen und ja, da habe ich direkt eine im Angebot. Vorweg sei gesagt, es ist niemand zu Schaden gekommen, selbst die Zutaten hatten ihre beste Zeit schon hinter sich.

Es war kurz nach der Hochzeit mit der Liebsten, die dazugehörige Reise sollte entspannt sein und ging auf den Darß, bzw. zum anliegenden Bodden, eher außerhalb in ein Ferienhaus eines Freundes, an einer Landstraße weit entfernt von Irgendwas.

Das Haus allerdings war gut, es gab einen Herd, von dem man die Bodenplatte entfernen konnte und durch einen Schamottstein ersetzen. Das ergab einen prima Pizzaofen, der nah an die professionellen Geräte in den italienische Restaurants heran kommt. Jedenfalls war die Pizza in zwei Minuten fertig, die Verunglückte ergab eine prima Calzone.

Es gab auch prima Kochbücher mit regionalen Rezepten, eines, ein Schweinefilet mit Gurken-Senfsauce, machen wir noch heute. Ein anderes ging über Hirschrouladen mit pilzgefüllten Wirsingtaschen. Da ging es dann los.

Den Hirsch bestellten wir, zurück in der Heimat, in einer naheliegenden Pferde- und Wildschlachterei. Ausgepackt zeigte sich, dass es eher ein Unfallhirsch war, die Scheiben waren recht grob geschält, an Rollen war nicht zu denken. Für die Wirsingtaschen bekamen wir nur noch ein paar Restpilze, die nach einigem Spülen und Aussortieren doch noch erstaunlich glitschig wirkten. In Verbindung mit etwa flüssigem Ricotta tat das Wasserbad ein Übriges, dazu die Hirsch… ballen.

Es ist wirklich gut, dass es Pizzabringdienste gibt und Wirsing mag ich bis heute nicht mehr sehen.