Wann ich Sterneküche mag (I): Therme Vals

Wenn’s im Hotel Therme in Vals ist.

Ich weiß gar nicht genau, ob es Sterneküche ist, jedenfalls ist es sehr lecker, mehrgängig und, nun ja, teuer.
Ich reiste nach Vals in Graubünden/Schweiz, um die Therme und das zugehörige Hotel zu besichtigen. Peter Zumthor war der federführende Architekt und das ist ja Grund genug für eine Reise.

Am Ende eines Tals, nach einer Fahrt über schmale Straßen öffnet sich Vals mit einer Industrieanlage zur Abfüllung des Valser Wassers und drei Hochhäusern, darüber thront das alte Grand Hotel. Die Therme versteckt sich, sie ist komplett in den Berg gebaut. Auch das idyllische Dorf vermutet man zunächst nicht hinter diesem Einstieg.

Ein gelungener Vals-Tag geht so:

  • Es muss ein Wochentag sein.
  • Man muss im Haus Zerfreila wohnen, einem der Hochhäuser, die günstiger sind als die Zimmer im Hotel und in den 1960er Jahren von einem Schiffsbauarchitekten eingerichtet wurden. Das ist schick und interessant, die Zimmer werden vom Hotel verwaltet und gepflegt, man kann zu Hotelzeiten in die Therme und am Menü teilnehmen.
  • Man frühstückt im Hotel, früh, es ist excellent.
  • Früh deshalb, damit man früh in die Therme kann, später gibt es öffentlichen Badebetrieb. Morgens sind die Gäste verschlafen still. Es ist besser als Nachtbaden.
  • Danach ist immer noch Zeit für den Berg, eine Wanderung oder Ski fahren auf den kleinen Pisten im Winter.
  • Im Dorf gibt es nette Cafés und Nusskuchen.
  • Zurück im Zimmer lässt es sich gut ruhen, vielleicht liest man etwas.
  • Im Blauen Salon gibt es Barjazz und eine gute Barcrew, die sich durchaus fordern lassen. In Südtirol habe ich Negroni kennengelernt, hier genossen.
  • Im roten Saal gibt es das Menü, immer mehrere Gänge, Dienstags mit Desserbüffet.

Ein Menü könnte Zweierlei Tomatensuppen in der Espressotasse beinhalten, reichhaltig pflückfrische Biosalate aus der Region, Fischgänge mit Dingen, die ich, wären sie nicht so zubereitet, niemals in den Mund genommen hätte und niedertemperaturgegarte Fleischstücke, viel Wild, etwa Steinbockrücken an Sternanissauce mit Kartoffelschaum und ja, es war ein Schäumchen.

Haben Sie übrigens schon mal Batterien mit Gläschen voller Puddinge, Glacés und Crème Brûlée gesehen und die Praline zum Café verweigert, weil Sie so satt waren?

Darum mag ich Sterneküche.

P.S.: Das Hotel heißt nicht mehr Hotel Therme und es ist anscheinend einiges anders. Ich bin gespannt auf aktuelle Berichte.

P.P.S.: Dieser Artikel wurde aus der Erinnerung geschrieben, deshalb gibt es keine auflockernden Bilder.

Von notenblog

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