Schweizer Seifenkühe (VIII)

Seifenkühe, 8. Aufstellung

vom 26. April 2013

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Dinge, die ich nicht verstehe (V): Hochglanzmagazine

Das geht schon bei den Namen los: Wer kann denn unfallfrei Men’s Health, Vogue, Vanity fair oder Fit for fun aussprechen, ohne einen Lachanfall oder einen Knoten in der Zunge zu bekommen.

Viel erstaunlicher finde ich, dass es anscheinend Leute gibt, die wirklich 5 Euro und mehr dafür ausgeben, erst mal acht Doppelseiten Photoshop-Ergebnisse durchzublättern, bevor überhaupt das Inhaltsverzeichnis kommt. Vom journalistischem Wert des Rests wollen wir hier nicht weiter reden.

Das Problem der Welt an der Drogeriemarktkasse

Die Protagonistinnen und Protagonisten:

  • Der Pakistani: Ich nenne ihn so, weil er mich an den Vater eines Freundes pakistanischer Herkunft erinnert. Ein älterer Mann mit einem beneidenswert prächtigen Bart, akkuratem Haarschnitt, Tuchhosen und gestärktem Hemd. Er kassiert im Drogeriemarkt, hätte aber offensichtlich lieber einen Job, auf den er stolz sein kann. Sein Deutsch ist verständlich, aber knapp und unmelodisch.
  • Die russischen Freundinnen: Ob sie wirklich reich sind, weiß man nicht. Ob sie wirklich russisch sind, weiß man nicht. Ihre Sprache, ihr Gehabe, ihre Gesichtsform und ihr Hang zu güldenem Geschmeide legen es aber nahe.

Was passiert:

  • Es gibt eine kleine Schlange an der Drogeriemarktkasse, es ist irgendein Nachmittag. Das Wetter ist nicht mehr sommerlich, aber auch noch nicht herbstlich
  • Ich kaufe etwas, was ist egal, wichtig ist nur, dass ich in der Schlange stehe und darauf warte, dass die zwei Freundinnen vor mir abkassiert werden. Es liegen viele Kosmetika auf dem Band, ich trage irgendetwas Schweres und möchte es ablegen.
  • Die Damen sind mit sich und ihren Mobiltelefonen beschäftigt, es sind wertige Telefone, gold und weiß und von Apple. Sie reden laut und viel, miteinander, aber auch in ihre Telefone.Sie haben Zeit, sie haben Freunde, mit denen sie reden müssen und (zumindest tun sie so) sie haben Geld.
  • Der Pakistani sitzt an der Kasse. Er möchte nicht bedienen, er möchte richtig arbeiten. So wirkt er. Er wirkt auch, als würde er die Damen hassen. Sie zeigen Ignoranz und keinerlei Respekt, sie passen nicht auf, sie hören nicht zu, sie stellen Reichtum, Jugend und Schönheit ungeniert zur Schau. Er fragt nach den Treuepunkten oder irgendetwas, was jeder Mensch an einer Kasse fragen muss. Aber er spricht schlecht Deutsch und die Freundinnen hören nicht zu.
  • Er fragt erneut nach, vernuschelt, frustriert und genervt. Die Freundinnen nehmen ihn wahr. Das lassen sie sich nicht bieten. Sie sind jung und schön und reich. Sie pflaumen den Mann an, was er überhaupt wolle, sie telefonieren, ey, und überhaupt, was willst du Typ, willst du mich anmachen. Man versteht sie kaum, sie haben einen starken Dialekt. Deutlich wird nur die Aggression. Man spürt den Willen zur Überlegenheit. Man spürt all die Unsicherheit, den Willen, mehr zu sein.
  • Auch der Mann wird ungehalten, es folgen gemurmelte Schimpfworte in Landessprache auf allen Seiten, aber es wird bezahlt und es wird lautstark das Ladengeschäft verlassen.
  • Ich lege erleichtert das Schwere ab und denke an das Schicksal der Welt. Dass ich das Grundproblem wahrscheinlich gerade erlebt habe. Und ein weiteres dazu: Dass ich selbst nicht weniger überheblich bin.

Talken

Das iPad ist eine gefährliche Konkurrenz für die traditionellen Talkerhersteller. Aber ist das ein Grund, ahnungslose Eltern und Lehrkräfte zu betrügen?

Es ist so: meine Nichte redet jetzt nicht ganz so deutlich. Das hat Gründe, ist für sie aber kein Problem, notfalls zeigt sie mit Grundgebärden, Mimik, Gestik und rudimentären Lauten, wie der Hase zu laufen hat.

Trotzdem kam die Frage auf, ob sie ein elektronisches Hilfsmittel benötigt (Die Antwort heißt: Nein!). Die Klassenlehrerin, recht jung noch und neu im Job, ließ sich bei einer Vorführung dieser elektronischen Hilfsmittel, Talker genannt, begeistern und drängte darauf, so ein Gerät anzuschaffen. Weil aber so vieles auf so vielen Ebenen an dieser Entscheidung kaputt ist und man es vehement ablehnen muss, gibt es hier eine kleine Checkliste, welche Überlegungen man für die Anschaffung und Nutzung eines Talkers machen muss.

  • Hat das Kind ein Kommunikationsproblem?
    Es gibt Kinder, die haben enorme Schwierigkeiten eine verbindliche Kommunikation aufzubauen. Es gelingt oft weder verbal, noch mimisch oder gestisch, auch gebärdengestützte Kommunikation ist nicht möglich. Diese Kinder entdecken oft Symbole als Möglichkeit sich zu äußern und nutzen begeistert Symbolbücher. Das sind kleine Ringordner mit einer handvoll relevanter Bilder, die sie dann anstarren können, darauf zeigen oder ähnlich verbindlich ihre Wünsche äußern können.

    Falls Sie sich grad nicht sicher sind, ob das für ihr Kind interessant ist, stellen Sie sich zwei Fragen:
    a) Wie reagiert ihr Kind, wenn es ein Spielzeug von einem anderen Kind haben möchte. Nutzt es eine spontane Äußerung, egal wie unverständlich diese ist und hat am Ende das Spielzeug. Oder können Sie sich vorstellen, dass es sich Zeit nimmt, um ein Symbol herauszusuchen?
    b) Stellen Sie sich vor, ihr Kind soll Brötchen holen. Wird es Symbole heraussuchen, wenn es nicht dazu gezwungen wird?

    Wenn es schon die Bücher nicht nutzt, wird es den Talker nie nutzen.

    Der Vertreter aber spricht vom hohen Anreiz der Elektronik? Der Reiz ist vergleichbar mit dem eines Spielzeugs. Jeder spielt gerne, auch ihr Kind. Aber es muss den Nutzen des Talkers als Kommunikationsmittel begreifen. Der Spielaspekt muss zweitrangig sein.

  • Wer entscheidet über die Anschaffung eines Talkers?
    Die Entscheidung, einen Talker anzuschaffen, muss von einem Gremium getroffen werden und das besteht nicht aus dem Vertreter der Herstellerfirma. Neben vertrauten Sprachtherapeutinnen und -therapeuten gehört das pädagogische Team der KiTa oder der Schule und vor allem die Eltern. Die müssen das Gerät vorgestellt bekommen und sollen schließlich damit arbeiten. Läuft es anders, würde ich es ablehnen, damit zu arbeiten. Letztlich hat die Krankenkasse auch noch ein Wort mitzureden. Die wollen ihre eigenen Geräte ans Kind bringen. Seine Haltung durchzusetzen kann ein großer und teurer Kampf werden.
  • Wenn wir aber einen Talker wollen, was dann?
    Wenn das Kind das Symbolbuch rege nutzt, alle Beteiligten den Mehrwert für das Kind erkennen und in Alltag und Schule Fortschritte zu erkennen sind, dann redet man über Talker. Lassen Sie verschiedene Firmen kommen, fordern Sie, die Geräte für mindestens eine Woche auszuprobieren. Falls die Vertreter nicht wollen, signalisieren Sie, dass es andere Firmen gibt, die das durchaus machen. Sie müssen ja nichts kaufen. Machen Sie sich Gedanken und einen Plan, wie es zuhause, in der Therapie und in der Schule genutzt werden soll.
  • Wie teste ich einen Talker?
    Probieren Sie folgende Wörter: „Pinguin“, „Leguan“ und „Papierkörbe“. Diese Wörter werden häufig von Computerstimmen falsch ausgesprochen. Das kann man korrigieren, aber es muss einfach gehen. Lassen Sie es sich zeigen und probieren Sie es dann selbst.
    Lassen Sich einfach eigene Symbole zufügen und mit Text versehen? Das ist wichtig! Schließlich hat jedes Kind Redewendungen und Lieblingslieder und -spielzeuge, die es einfordern können muss.

    Aber: Sie müssen damit arbeiten und es verwalten, Sie müssen es verstehen.

  • Was steckt hinter einem Talker?
    Schauen Sie sich das Gerät an. Talker sind keine Wunderwaffen, es sind PCs oder Tablets mit Zusatzsoftware. Steckt ein iPad dahinter, sind Sie besser dran, wenn Sie ein iPad kaufen. Suchen Sie mal nach Letterpad mini von RehaVista. Unter uns: das ist ein iPad mini mit einem wasserdichtem Case und der MetaTalk-App und das gibt es für ein Drittel des Preises, auch ohne Apples Education-Rabatte. Sie haben aber deutlich mehr Möglichkeiten für weitere Apps. Da gibt s viel zu entdecken. Da gibt es aber auch viele Angebote, die an Gaunerei und Betrug grenzen.
  • Warum sagt mir das keiner?
    Die Firmen wollen weiterhin verkaufen, es ist ein lukrativer Markt.
    Die Lehrerinnen und Lehrer wollen Lösungen, um im Unterricht besser kommunizieren zu können und haben oft keine Ahnung von der Technik. Man wird dafür nicht ausgebildet.
    Die Sprachtherapeutinnen und -therapeuten kennen Talker, oft aber nicht die Alternativen. Es sagt ja niemand etwas.

    Sie wollen das Beste für ihr Kind. Da ist ihnen jedes Hilfsmittel recht, jedes ist ein Strohhalm, endlich ihr Kind zu verstehen. Das ist in Ordnung. Aber schaffen Sie nichts an, das ihnen mehr Arbeit als nötig macht.

Was ein guter Name für ein Blechbläserensemble ist (II)

Allgemein Blaeserey

Wenn man viel Alte Musik spielt, Renaissance etwa und Barock. Wenn Mozart zu katholisch und zu modern ist. Wenn man keine Hemmungen hat, mit Blockflöten, Sackbuts und Zinken zu musizieren. Ein Name für ein Ensemble um Scheidt, Schein und Schütz. Für mehr colla parte.

Allgemein: für die kundige Bläserei.

Nur halt so geschrieben, wie man es tat, als es noch keine neue Rechtschreibung gab. Es sey.

Was ich koche (IV): Lamm-Ragout mit Kartoffeln

Ragout ist ja eigentlich nicht so kompliziert: Fleisch mit Tomatensauce und Gewürzen. Aber immer lecker.

Eingekauft habe ich für 2 Personen:

  • 400g Lammlachse Lammschulter, als Gulasch geschnitten
  • 1 Dose Tomaten
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 3 Zweige Thymian
  • Honig
  • Knoblauch und Zwiebeln
  • 1 Möhre
  • Kartoffeln
  • Rotwein

So hab ich’s vorbereitet:

  • Lamm in mundgrechte Happen geschnitten, das dicke Fett entfernt, Sehnen auch,
  • 1 Schluck Rotwein getrunken,
  • Zwiebeln & Knoblauch fein gehackt, Knoblauch geschält und in die Presse gelegt,
  • Kräuter gewaschen, Thymian gezupft,
  • Kartoffeln in ca. 1cm kleine Würfel geschnitten,
  • die Möhre ein feinste Würfelchen geschnitten.
Lammragout im Topf

Vorbereitungszustand

So wurd’s gekocht:

  • Knoblauch und Zwiebeln angedünsten,
  • Lamm dazugeben und anbraten, salzen&pfeffern, dann Möhre dazu,
  • mit Rotwein ablöschen, Dosentomaten, Rosmarin dazu,
  • 1 TL Honig mit auflösen,
  • 40 Minuten bei geschlossenem Deckel schmoren lassen,
  • Kartoffeln dazu, noch mal 20 Minuten schmoren lassen,
  • wenn die Kartoffeln gar sind den Rosmarin entfernen und mit Thymian, Salz und Pfeffer würzen.
Lammragout auf dem Teller

Verzehrzustand

Im tiefen Teller servieren. Dazu passt: Feldsalat, Rotwein (Amarone).
Geht auch mit Nudeln (Pappardelle) statt Kartoffeln. Geht auch mit Bohnen, diese dann mit den Kartoffeln zugeben.