Hui, bin ich ein geiler Minimal-Wanderer

Das kannst du auch, wenn du wie ich so supi-töfte alles weggibst und komplett auf digital yoga-veganen lifestyle umstellst! Hier hast du 25 Tipps, was meinst du dazu?

Nein, ich will keine Antwort, wirklich nicht, danke. Es ist so, dass ich im Internet las. Ich weiß, das sollte ich lassen, aber die Farbe musste trocknen, ich fing an zu warten und da war dieser Laptop…

Ich wandere ja ganz gerne und ich verlinke jetzt keinen Beitrag dazu. Beim Wandern überlege ich viel, was ich auf der Tour brauche und was ich trotzdem mitnehme (Spoiler: Oft eine Sigg-Flasche mit leichtem Rotwein und einen Blech-Becher, damit lässt es sich prima picknicken). So lande ich bei allerlei Ultra-light-trekking-Blogs, aber auch bei solchen, die sich mit digitalem Arbeiten oder Minimalismus im allgemeinen beschäftigen. Das sind auch interessante Ideen, rasant ägerlich wurde ich aber nun heute bei zwei Blogs, die ihre kleinen Erkenntnisse als Entdeckung des Jahrtausends anpriesen. Dabei werden winzigste Allgemeinstände in lange, SEO-gepimpte Artikel gepackt und minimal (haha!) variiert immer wieder wiederholt. Ein Beispiel?

  • Start ins minimalistische Leben
  • 25 weitere Tipps, wie Du minimalistischer leben kannst
  • 25 Tipps, wie Du minimalistischer leben kannst (innerhalb einer Stunde)
  • Entrümpeln leicht gemacht
  • Noch mal 25 Tipps, wie Du einfacher leben kannst

Kurz: Kauf nicht jeden Schrott, schmeiß auch mal etwas weg, organisier deinen Kram.

Oder hier:

  • Die ultimative Packliste
  • Mein e-book: Arbeite von unterwegs
  • Die besten Ressourcen und Tools für die Arbeit von unterwegs
  • Erste Schritte, wie Du als Digital Nomad arbeitest

Ich habe alles etwas abgeändert, wegen Urheberrecht und so.
Was nervt mich so?

  1. Das duzen. Sie mich auch, danke.
  2. Dieses Bohai um nix (Ein aufgeräumter Desktop hilft dem Geist sich zu sortieren. Achwas?!).
  3. Der Anspruch auf Endgültigkeit: ultimativ? die besten? Für wen, was und warum? Für mich war viel Schrott dabei.
  4. Keine Packliste, kein Tipp ist wirklich minimalistisch, ressourcenschonend oder nachhaltig! Dinge werden ersetzt durch andere Dinge. Die Plattensammlung durch Streaming, die Stereoanlage durch Sonos, die Bücher durch E-Reader (immer den neuesten, leichtesten). Die Kleidung durch High-End-Trekking-Stuff. Ständig wird alles auf das neueste Produkt aktualisiert.
  5. Alles ist nichts ohne die richtige Marke. Welche? Klar, Nike, Apple, NorthFace, … Kein Wort von No-Name-Produkten. Höchstens etwas H&M oder Aldi, um zu zeigen, dass man auch anders kann.
  6. Leichter reist es sich ohne Bargeld, die Werbung für die Kreditkarten-Bank hingegen ist nur schlecht bis gar nicht versteckt.
  7. Die Glückskeks-Sprüche.
  8. Dass man natürlich noch seine Homebase in BerlinHamburgMünchen hat. Woanders kann man ja gar nicht minimal leben, weiß man ja.
  9. Alle Reisen und Wanderungen sind immer spektakulär. Nicht nur eben grad durch den Harz, nein, in drei Tagen über die Alpen, durch den Himalaya oder irgendwas in Singapur. Und immer so nah an den Menschen und gar nicht wie ein Tourist!
  10. Minimal ist nur, wer auch alles andere macht: Yoga, vegan leben undundund. Hm.
  11. Immer diese Pseudofragen, um die Kommentare vollzubekommen. Oder was meinen Sie dazu?

So, die Farbe ist trocken, ich muss weitermachen. Selber Wände streichen, es ist so entspannend, dass MUSST du auch mal machen. Die Musik streamt dazu auf meine Minimal-Linn-Anlage und die neue Minimal-Malerrolle trägt ein Minimal-Weiß auf, wie es nur Caparol hinbekommt. Danach gleich ein Gläschen veganen Veneziano, man muss sich schließlich auch mal etwas gönnen.

 

Nachtrag Punkt 12, apropos etwas gönnen: Dieses alberne „hihi und auf *ErsteWeltLifestyleLebensmittel* kann ich dann doch nicht verzichten…“

Raus Wandern: Packliste Alpenüberquerung

Für das Komfortwandererpaar in den 40ern.

Natürlich kann man viel Geraffel mit auf den Berg schleppen, die anderen Hüttengäste haben das hinlänglich bewiesen und der örtliche Outdoorhändler wird seine helle Freude gehabt haben.
Natürlich kann man auch in einem Hauch von Nichts über die Alpen joggen, auch das haben zwei Hüttengäste bewiesen, die den E5 in drei Tagen gemacht haben wollten. Sie hatten an jenem Abend, an dem wir sie sahen die Aufmerksamkeit von allen anderen.

Wir stehen irgendwo dazwischen und das sieht so aus:

  • Rucksack: wir haben noch große (45+10L) schwere Deuter, suchen aber leichte, bequeme kleine (30L), vielleicht von Montane oder Bergans?
  • Schuhe: Wir hatten schwere Bergstiefel von Hanwag, gereicht hätten unsere neuen von La Sportiva. Hauptsache feste Sohle und etwas Halt am Knöchel. Wenn man etwas trittfest ist und keine Probleme mit den Bändern hat reicht’s. Der E5 ist gut angelegt, grad im Sommer braucht man keine Eisen.
  • Stöcke. Die Knie danken’s.
  • Am Körper: Eine Hose (ich lang, ich krempel lieber; meine Frau kurz), T-Shirt (Merino), Socken. Ich trag gerne auch ein Hemd, gegen Sonne, Wind… Außerdem Unterwäsche (Merino).
  • Ein Fleece. Ich hab eines aus dem Skibereich, das ist winddicht und leicht, dafür aber ein Pullover.
  • Regenjacke, Regenhose. Muss sein.
  • Sonnenhut und -brille.
  • Handschuhe, Mütze, Buff. Lange Unterhose, Longsleeve (auch als Nachtwäsche)
  • Ersatz oder für abends: leichte Hose, Poloshirt, Socken, leichte Turnschuhe, Unterhose.
  • Hüttenschlafsack, Mikrofaserbodentuch als Handtuch, Mini-Mikrofasertuch (zum Zähneputzen etc.), aufblasbares Mini-Kissen.
  • Im Kulturbeutel (aufgeteilt auf zwei Personen): 50ml Shampoo, 50ml Duschgel, Rei, Sonnencreme, Zahnseide, Ajona-Zahnpasta, Zahnbürsten, 50ml Rasierschaum, Nassrasierer, 3 Wechselklingen, kleines Töpfchen mit umgefülltem Haarwachs, kleines Spray mit Rasierwasser, Hautcreme, persönliche Hygiene, Pinzette, Feile, Nagelschere.
  • Reiseapotheke: Ibuprofen, Ceterezin, Traumeel, Magnesium, Leukoplast, zwei Kompressen.
  • Außerdem: Reiseführer, Telefon, Ladegerät, Taschenmesser, Wasserblase, Müsliriegel, Cashew-Kerne, Apfel…

Das kann man noch minimieren, aber dann leidet der Komfort (oder der Stil im Gasthof) und so sind wir ohne Vorräte und Rucksack immerhin bei unter 5kg. Und die Sigg-Flasche mit dem Rotwein haben wir schon zuhause gelassen!