Raus, Wandern: Pembrokeshire Coast(al) Path im Juli

…that’s the rural charm in the country… (Blur)

Markierung Pembrokeshire Coast Path

Markierung Pembrokeshire Coast Path

Wandern in Great Britain hieß der Plan. Ein längst vergangener Besuch in Wales machte uns das Wandern schwer, dieses öffentliche Wegerecht, die etwas eigenwillige Markierung, das fehlende Kartenmaterial, nun, ja.
An der waliser Küste sollte dies leichter fallen, man muss ja nur der Eichel folgen. Außerdem gab es einen deutschsprachigen Wanderführer zum Weg. All dies sind die Gründe, genau diesen Weg zu wählen.

Caterpillar

Die Raupe Nimmersatt war auch unterwegs.

Die Planung

Hauptsächliche Planungshilfe bei der Etappenwahl war der Wanderführer aus dem Conrad-Stein-Verlag. Ein seltsam gemachtes Buch. Im ersten Teil gibt es eine Übersicht über Wissenswertes, das ist auch ganz gut. Die Etappen sind sehr kurz gewählt, man muss also Etappen kombinieren. Die Beschreibungen des Wegverlaufs sind albern („… gehen sie zu einem Stile, danach kommen noch zwei Stiles, dann ein Viehgitter…“ oder so ähnlich). Die bessere Etappeneinteilung hat Wikipedia oder die englischsprachige Literatur.
Außerdem nutzten wir zwei Karten des Ordanance Survey. Die haben den Vorteil, dass man sie über eine App auch auf dem Smartphone nutzen kann, inklusive Standorterkennung. Super!
Für die Bahnverbindungen kann man den nationalen Zugservice nutzen.
Als Quartiere haben wir häufig Bed & Breakfasts gewählt, Google Maps kennt da erstaunlich viele, es gibt aber in jedem Ort noch mehr. Der Brite schätzt Telefonate, via Mail ging nur wenig.

Bucht. Boot.

Bucht. Boot.

Die besten Quartiere

  • Angle Bay B&B: Äußerst liebevoll mit toller Lage. Leckere hausgemachte Scones.
  • Garn Isaf, Abercastle: ruhig gelegen, ebenfalls sehr liebevoll. Außerdem wohnt hier Amber, eine sehr kuschelige Hütehündin. Gastgeberin Anne ist anscheinend gewohnt, ihre Wandergäste zum nächstgelegenen Pub zu fahren, dort haben diese dann einen vergnüglichen Abend miteinander.
  • Blas at fronlas, Newport: nettes kleines B&B, aber der Garten und das dazugehörige Café! Super.
  • The Druidstone Hotel, Druidstone: Der Garten! Das Restaurant! Die Sicht! Da nimmt man auch ein Bad im Gang auf sich (es gibt auch andere, teurere Zimmer).
  • Fields lodge, Herbrandston: Ausgezeichnet nach einem Regentag. Wer das Zimmer mit externem Bad nimmt, bekommt ein Luxusbadezimmer mit Jacuzzi nur für sich.
Wildpferd am Wegesrand

Wildpferd am Wegesrand

Warum sollte man diesen Weg gehen

  • Die Küste: im Norden wild und rau, im Süden sanfter mit Sandstränden
  • Im Grunde sind es drei Touren: Heidelandschaft, alpine Anstiege und das alles mit Seesicht
  • Man sieht, wo man vorgestern war und übermorgen sein wird
  • Pferde. Kühe. Schafe. Seehunde. Robben. Papageientaucher.
  • Die Waliser sind wahnsinnig liebenswerte Gastgeber. Alle.
  • Das britische Wetter ist gar nicht so schlimm. Zumindest 2017 war es besser als in Deutschland
  • Das britische Essen ist gar nicht so schlimm. Auch hier hat Bio- und Slowfood einen Stellenwert, man nutzt regionale Kräuter und findet Frisches gar nicht schlimm
  • Die Häuschen: die walisischen Häuser waren so hübsch!
Weite, leere Strände sind im Nordteil sehr typisch

Weite, leere Strände sind im Nordteil sehr typisch

Was spricht dagegen

  • Das britische Wetter. Wenn es regnet, dann ergiebig. Außerdem hat man an der Küste immer kräftig Wind
  • Das britische Essen. Wenn man einmal in einem typischen Pub ist, fragt man sich, wie man Pommes und Chicken nuggets versemmeln kann. Apropos Pommes: überall diese Pommes dazu?!
  • Die Häuschen: ein Horror für Hausstaub/Milben-Allergiker. Man will gar nicht wissen, was da noch in den Hauswänden und Kissen alles wohnt
Tenby, Strand mit Burg

Tenby, Strand mit Burg

Würde ich’s noch mal gehen

Ganz klar: nein. Wegen der Allergie.
Sonst ja, aber mit kürzeren Touren. 25 Kilometer sind im Schnitt zu viel, da man doch einige Höhenmeter geht (11.600 auf dem gesamten Weg). 20 Kilometer wären gut.
Außerdem sollte man um Pembroke herum nicht zu viel erwarten, es ist eine Industrielandschaft und leider Petrochemie, was manchmal auch riecht. Im südlichen Teil sind außerdem öfter mal Schießtage des Militärs, dann kommt man nicht an die Küste und es wummert immerzu.
Die übrige Landschaft macht aber alles wieder wett.

Pembroke Castle

Pembroke Castle

Ergänzung

Dies ist unsere Planungsliste (pdf).
Wer wissen möchte, was man so einpacken muss, der kann hier gucken.
Die Anreise erfolgte über Birmingham Airport, es geht aber auch Cardiff. Selbst London ist gut möglich, das ist nur zwei Zugstationen von Birmingham entfernt. Birmingham lohnt sich auch für einen Tag, es gibt ein Grachtenviertel und mit dem Bullring ein überzeugendes Stück zeitgenössischer Architektur.

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