Wie Inklusion wirklich ist

Nicht, was sie jetzt denken.

Es ist erst ein paar Tage her, da äußerte ich mich an dieser Stelle bereits zur Inklusion. Um mal einen berühmten Werbeslogan zu variieren: „Die Geschichte der Inklusion ist eine Geschichte voller Missverständnisse.“
Dazu habe ich mal eine kleine Liste vorbereitet:

  • Inklusion bedeutet nicht Integration von Schülerinnen und Schülern mit Handicaps.
  • Inklusion gilt überhaupt nicht nur für behinderte Menschen.
  • Inklusion heißt auch nicht nur zusammen wohnen.
  • Inklusion ist auch nicht überraschend neu, hip, modern, trendy oder linksversifft.
  • Man kann Inklusion nicht einfach mal wieder abschaffen.
  • Es ist keine Inklusion, Gruppen von Gesetzen, wie z. B. Mindestlohn, auszunehmen.

Watt denn nu?

  • Inklusion heißt, dass auch Sie ein Teil der Gesellschaft sind und man ihnen ermöglichen muss, daran teilzuhaben.
  • Ich? Ja, es gilt für Mindeslohnjobber, Alte, Kranke, Junge, Nette, Doofe, Einwanderer, Flüchtlinge und sogar für Manager und Politiker. Auch die dürfen Teil der Menschheit sein. Verrückt, oder?
  • Und das gilt für alle Bereiche des Lebens, auch für Arbeit, Fußball, Freizeit oder Stadtteilfeste.
  • Die Idee ist nicht neu, Jesus sagte ähnliches in der Bergpredigt (bzw. es ist überhaupt seine Grundaussage), auch der Islam, das Judentum, der Humanismus, ach, eigentlich alle finden Solidargemeinschaft ganz gut. Deshalb steht es sogar so in unserem Grundgesetz, man lese da mal die Paragraphen 1-10.
  • Und es gilt weltweit. Also, zumindest bei den Ländern, die die UN-Carta abgezeichnet haben.
  • Diesen Gedanken darf man verbreiten, es tut ganz gut, sich als Teil von etwas zu fühlen. Oder sind Sie gerne ausgegrenzt?

Also, machen auch Sie mit. Sein Sie inklusiv, sein Sie Teil von uns allen.

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„Inklusion nicht effizient“

So betitelt die Hannoversche Allgemeine am 7.6.2018 ein Ergebnis einer Prüfung des niedersächsischen Landesrechnungshof – und in gewisser Weise (s.u.) muss man ihnen sogar recht geben.

Leider bezieht der Rechnungshof es aber darauf, dass die Schulen für Lernhilfe und Emotionale Entwicklung weiterbetrieben werden und damit die Kosten für Förderschullehrer erhalten bleiben bzw. die Stunden im inklusiven Unterricht fehlen. Das sind halt Kosten für das Land.

Effizienz, aus Lehrersicht, sähe anders aus. So könnte man als FörderschullehrerIn an nur einer Regelschule eingesetzt werden und dort nur in zwei bis drei Klassen tätig sein, damit stärker zu den Klassenteams gehören und auch mal in der Pause im Lehrerzimmer sitzen, statt hektisch herumzureisen und das als Vorbereitungszeit laufen zu lassen. Es würde enorm viele Telefonate und E-Mails für Absprachen sparen und vielleicht könnte man auch ein Teamteaching damit dauerhaft in der Pädagogik etablieren und die Stärken der einzelnen Lehrkräfte nutzen.
Man könnte aber auch drastisch Kosten senken, indem man feste pädagogische MitarbeiterInnen in den Klassen einsetzt und damit die vielen z. T. schlecht ausgebildete Einzelfallhelfer sparen, denen man nicht einmal Dienstanweisungen geben darf, weil sie bei einem anderen Kostenträger angestellt sind. Aber das sind Kosten der Region, nicht des Landes.
Man hätte auch, beizeiten, die FörderschullehrerInnen, die in Ruhestand gehen, ersetzen können, weil Inklusion nämlich in erster Linie kein Sparmodell ist, sondern ein Gewinn für die Gesellschaft. Vielleicht ist aber genau das der springende Punkt. Dem Rechnungshof, das liegt wohl in der Natur der Sache, geht es nicht um Gesellschaft, ihm geht es um Zahlen.
Nun kann man den Artikel so deuten, dass man nur die Schwachpunkte aufzeigen und Verbesserungen anregen will. Bei der Nachrichtenlage der letzten Zeit und der propagandistischen Hetzrede einer „alternativen“ Partei befürchte ich aber, das diese Überschrift von vielen anders gedeutet wird.

Es ist einige Zeit her, dass man aufgewogen hat, wie ökonomisch Teile der Gesellschaft sind. Es war wohl in den frühen 90ern, als Peter Singer die Frage stellte, wie Behinderte dem Bruttosozialprodukt dienen. Das Ergebnis kann nur ernüchternd sein und die Beziehung zu den Nationalsozialisten der 30er Jahre ist schnell hergestellt. Letztlich führt es aber zu der Frage, wie ökonomisch Bildung ist oder gar eine ganze Gesellschaft. Wozu braucht man uns eigentlich?

Inklusion heißt alle. Immer. Ja, auch die Flüchtlinge, die Mindestlohnverdiener, die Junkies, die Knasties und halt auch Behinderte, alle. Immer. Weil sie Teil der Gesellschaft sind, genau wie du, genau wie sie. Wer das in Frage stellt, stellt sich selbst in Frage.
Inklusion verursacht erst mal Kosten und das ist in der derzeitig anhaltenden Optimierungslandschaft gar nicht gern gesehen. Besänne man sich auf den sozialen Anspruch unserer Demokratie, hätte man es erst gar nicht so weit kommen lassen dürfen, unsere Gesellschaft in so viele Schichten zu teilen, so viele Menschen von der Teilhabe zu separieren. Diese Rückbesinnung muss man aber wollen und eine Überschrift wie die obige ist damit ein Affront gegen diejenigen, die sich um eine gelingende Inklusion bemühen.
Für die Inklusionsgegener ist es jedenfalls ein willkommenes Argument, die Abschaffung der Inklusion zu fordern. Das ist eine schreckliche Vorstellung, denn, und damit sollen Artikel enden, Inklusion ist ein Gewinn. Für alle. Immer.