Welche Architektur gucke ich mir an (IV): Tag der Architektur Hannover 2017

#architektur, #tagderarchitektur, #hannover, #hafven, #klagesmarkt

Am 25. Juni 2017 war Tag der Architektur, inzwischen war ich zum 15. Mal mit meiner Frau unterwegs. 15! Krass. Wie jedes Mal schaffen wir eine ganze Menge und konzentrieren uns eher auf allgemeine Gebäude, Einfamilienhäuser sind selten spannend.

Gemeindehaus St Jakobi

Die Jakobi-Gemeinde finde ich unglaublich sympathisch, ich war dort schon als Blechbläser und Chorsänger aktiv. Toller Kirchenmusiker, tolle Kirche, toller Stadtteil, seltsames Gemeindehaus. Also das alte. Das war aus den 60ern, riesengroß und duster. Nun ist es klar strukturiert, hell und schick. Es gibt einige nette Ideen, um den verschiedenen Gemeindeansprüchen gerecht zu werden. Gut so.
Die Stadt hat sogar die Straße neu gemacht und dem ebenfalls neu gemachten Vorplatz angepasst. So ist ein tolles Ensemble entstanden! Die Probleme Schallschutz und P.A.-Technik wurden wie immer nicht richtig beachtet, der Schallschutz nachgerüstet und die Technik… O.K., sagen wir, der Nutzer hat halt entschieden.

Hinweis Tuer zu im Gemeindehaus

So sieht eine freundliche Erinnerung bei Kirchens aus.

Wohnkrone

Wo kann man in der Stadt noch bauen? Auf den Parkhäusern, Kaufhäusern usw. An der Wohnkrone sieht man, wie unsinnig das sein kann. Es war ein recht luftiger Tag, trotzdem hing ein dezenter Benzingeruch in der Luft. Das wird im heißen Sommer bestimmt spitze, der Duft, der schwarze Asphaltbelag als Weg zu den Wohnungen, die Leichtbauweise. Dazu der aparte Blick auf die Klimaanlagen und Lüftungen der umgebenden Gebäude und deren beständiges Rauschen. Da ist es fast schon egal, wie winzig die Wohnungen sind, mit den verschnittenen Grundrissen und der offenen Wohnküche. Lieber ein Bild von Jaques Gassmann aus dem Gemeindehaus:

Bild von Jaques Gassmann

Jaques Gassmann

Klagesmarkt

Der Klagesmarkt ist so eine Stelle, wo man mitten in der Stadt bauen konnte. Es war ein großer, düsterer Parkplatz. Klugerweise hat man beschlossen, dass hier sozialer Wohnungsbau statt finden soll und außerdem die Auflage gemacht, verschiedene Haustypen mit verschiedenem Klinkerblendwerk zu versehen. So sieht es jetzt aus, wie gewachsen und halt nicht wie ein Riesenblock. Es gibt ein inklusives Wohnprojekt, altersgerechtes Wohnen, ein Café und eine KiTa. Ein Innenhof verbindet alle. Wirklich schick und mein persönliches Highlight 2017.

Detail einer Schallschutzwand

Schallschutzwand in der KiTa

hafven

Oh, je, wo fang ich nur an. Also: Eigentlich finde ich die Idee gut, ein CoWorking-Space zu schaffen, Platz für Schreibtischarbeit zu haben und Werkstätten. Der Enthusiasmus der Betreiber und der Architekten ist auch bewundernswert. Der Entwurf ist an sich auch gelungen und sieht noch von außen gut aus.
Aber: Auch wenn man nie fertig ist und immer neue Visionen hat und all das andere, was zum HipsterStartUpBlaBla gehört, muss man sich den Gesetzen der Physik unterordnen. Wenn man fugenlos Beton verbaut und Wasser mit ins Spiel kommt, dann platzt halt was weg. Das mit Bauschaum zu retten ist auch eher DIY und nicht nachhaltig. Später dringen Salze ein, weil man vergessen hat, auf Plätzen und Stufen ein Gefälle einzubauen und dann rostet die Bewehrung. Das Ding ist ein einziger verplanter Baumangel. Noch sprechen Betreiber und Architekten von fruchtbaren Konflikten, in 20 Jahren wird das ein prima Rechtsstreit, der allen Beteiligten das Leben versaut. Schon nach einem Jahr sehen die Details schlimm aus.
Exkurs: Hier war alles sooo cool und trendy, das ich nach 10 Sekunden ganz gruselige Gefühle bekam.

Studentenwohnungen

Doch, auch Studenten darf man es nett machen. Gute Details, saubere Verarbeitung, gute Außenanlagen. Netter Abschluss des Tages.

Welche Architektur gucke ich mir an (III): Sprengelmuseum Hannover, Erweiterungsbau

Bauen sie etwas, das typisch für Hannover ist.

Ich weiß nicht, ob das die Vorgabe war, aber klar ist, der Bau passt ganz gut zu Hannover. Und, das spoiler ich mal vorweg, er gefällt mir nicht.

Erstens fand ich das Gehabe um die Außenfassade ermüdend. Schwarzes Glas sollte es ein, gefärbter Beton ist es aus Kostengründen geworden, nicht ganz so poliert, wie ich es mir vorgestellt hätte. Nun hat man einen schwarzen Kasten mit unmotivierten Einschnitten, die wirken, als hätte man die Fenster vergessen. Wenn man die Ausführung der wenigen Fenster sieht, ist es jedenfalls ganz gut, dass die Fassade aus Beton ist, denn Rahmen und Einfassungen sind recht grob gearbeitet und wirken billig. Albern ist auch, dass genau auf Kopfhöhe die Fassade zurück springt. Da kann man sich doch herrlich dran stoßen.

Zweitens ist die hochgelobte Rampe ein Hohn. Irre viel Platz für eine Spirale, die zu den Toiletten hin als Treppe weitergeführt wird. Das ist ja mal barrierefrei gedacht und ja, das war Ironie. Aus Sicherheitsgründen wurde das Geländer sehr hoch gezogen, die Raumwirkung ist damit komplett weg. Auch hier ist die Ausführung schlimm, wenn man sich die Details anschaut, sind sie lieblos gemacht und schlecht ausgeführt.

Drittens sehe ich keine „tanzenden Räume“. Zwei Räume sollen in sich verdreht sein und so Leben in die Ausstellung bringen. Das ist Unsinn, davon bekommt man nichts mit. Die Ausstellungsräume sind schlicht und langweilig, die Details, wie überall, erschreckend schlimm. Dazu muss man nur mal einen Blick auf die nutzlosen Räume mit den Außenblicken werfen und auf die Werksteinbänke dort drin. Oder mal auf die Notfallsysteme achten. Man kann dann noch auf die Verbindungsräume gucken, bzw. auf den Gang zum Fahrstuhl und sich fragen, wie nutzlos man Räume noch planen kann. Erschreckend lieblos auch die hochgelobte Haustechnik. Das haben andere Museen überzeugender und vor allem zurückhaltender inszeniert. Charmanter wäre es, wenn man aus den hervorspringenden Rohren und Leitungen gleich ein Gesamtkunstwerk gemacht hätte.

Draußen kann man dann noch einen Blick aus der Ferne aus das Dach werfen und sich fragen, warum man hier eigentlich noch ein weiteres Material und eine weitere kalte Farbe verbaut.

Fazit: Lieblos geplant, kein Blick für das Detail, schlechte Ausführung. Aber teuer und man hat mal wieder was zu Reden in Hannover.

Welche Architektur gucke ich mir an (II): Museum Kunst der Westküste, Föhr

Wenn diese Farben nicht wären.

Gut, Museen und Kirchen anzusehen und dann behaupten, man hätte Architektur erlebt ist die ganz billige Nummer. Andererseits kommt es gerade in diesen Gebäuden auf eine gute Gestaltung an. Wenn’s dunkel, muffig und vollgerümpelt ist, hat man halt nur wenig Spaß.

Wenn man dann noch auf einer Ferieninsel ein paar Regentage hat, ist ein Museum ein beliebter Zufluchtsort. Neben den Kinderbespaßungsindoorspielplätzen ist es nett, dass es auch kulturtaugliche Abwechslung gibt mit sehenswerten Bildern von Max Beckmann, Max Liebermann, Emil Nolde, Edward Munch und weniger namenhaften, aber spannenden Malern.

„Welche Architektur gucke ich mir an (II): Museum Kunst der Westküste, Föhr“ weiterlesen

Welche Architektur gucke ich mir an (I): Dom Hildesheim

Den Dom Mariä Himmelfahrt zu Hildesheim

Hildesheim besitzt, im Gegensatz zu Hannover, einiges wirklich sehenswertes. Neben dem Roemer- und Pelizaeus-Museum und einer pittoresken Altstadt voller Fachwerkhäuser gleich zwei Kirchen, die zum UNESCO-Welterbe gehören: St. Michaelis und der Dom. Die eine evangelisch, der andere katholisch.

„Welche Architektur gucke ich mir an (I): Dom Hildesheim“ weiterlesen