Was ich esse (XIV): Rehfilet mit Portwein-Orangen-Sauce

Für 2 Personen

Zutaten

Für die Sauce

  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1/2 Saftorange
  • 150ml Portwein (o. Rotwein)
  • 250ml Wildfond (o. ä.)
  • 1-2 EL Orangenlikör
  • 1 TL Weingelee (o. Honig)
  • 1-2 EL Saucenbinder
  • ggfs. ein wenig Sahne

Für das Fleisch

  • 6 Rehfilets o. 300g Rehrücken
  • Salz, Pfeffer, 1 EL Piment

Beilage: Spätzle, Rotkohl

  1. Für die Sauce Rosmarin waschen. Saft der Orange auspressen. Mit 150 ml Portwein, Wildfond und Rosmarin bei starker Hitze aufkochen und bei mittlerer Hitze in 5 Min. auf knapp die Hälfte einkochen lassen. Beiseite stellen.
  2. Je nach Garzeit Spätzle und/oder Rotkohl anstellen.
  3. Das Fleisch würzen. Butter in einer großen Pfanne stark erhitzen. Filet darin ca. 2 Min. rundherum scharf anbraten, bei schwacher Hitze fertig braten, dabei einige Mal wenden. Das Filet in Alufolie wickeln und warm stellen. Achtung: Reh ist SEHR schnell zu gar!
  4. Bratfett mit l EL Orangenlikör ablöschen. Reduzierten Portwein-Fond angießen und aufkochen, nach Belieben noch würziger einköcheln lassen. Rosmarin rausfischen. l EL Saucenbinder in den kochenden Fond rühren. Falls nötig, mehr Saucenbinder venvenden. Mit Salz, Weingelee und eventuell noch Sahne und/oder etwas Portwein oder Orangenlikör abschmecken. Mit gefrorener Butter abglänzen.
  5. Das Filet auswickeln, den Bratensaft zur Sauce gießen. Das Fleisch ggfs. in dicke Scheiben schneiden und auf vorgewärmten Tellern mit der Sauce servieren.

Geht auch mit Lamm.

Was ich esse (XIII): Pfifferlingssauce

Zu Bandnudeln

  • 200g Pfifferlinge
  • 2 kl. Schalotten
  • 50g Speck
  • Cognac, Noilly Prat o. ä.
  • 1 EL Thymianblättchen
  • 3 EL Petersilie
  • 50g dunklen Traubensaft oder Rotwein
  • 100g Sahne
  1. Für den Saucen-Klassiker 200 g Pfifferlinge putzen, Stiele kürzen. Mit 1 EL Mehl bestäuben (bindet Schmutz), in stehendem Wasser waschen, abbrausen und abtrocknen.
  2. 2 kleine Schalotten schälen, würfeln. Speck würfeln. Pfifferlinge eventuell halbieren, mit Schalotten, 1 EL Thymianblättchen, etwas Speck und 3 EL gehackter Petersilie in 1 EL Öl anbraten. 
  3. Mit 1 Schuss Cognac (oder ähnlichem) vorsichtig ablöschen. 50 ml dunklen Traubensaft oder Rotwein und 100 g Sahne dazugießen, in 3-5 Min. cremig einköcheln lassen.
  4. Sauce mit Salz und Pfeffer würzen, sofort servieren.
  5. Vegetarier verzichten natürlich auf den Speck und würfeln ein oder zwei getrocknete Tomaten.

Was ich esse (XII): Zitronenrisotto

Wenn einer feinsten grünen Spargel hat, muss er ein Zitronenrisotto erfinden. Machste nix.

Zutaten

  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Zwiebel/Schalotte
  • 1 Frühlingszwiebel
  • 1 Msp. Kurkuma
  • 300g Risottoreis
  • 1L Hühnerbrühe
  • 1 großzügiger Schluck Weißwein
  • einige Pinienkerne
  • Zitronenschale oder Zesten und Saft einer halben Zitrone
  • Pfeffer & Salz
  • 4 EL geriebener Parmesan (mindestens)
  • Butter
  • einige Blätter Basilikum

Zubereitung

  1. Knoblauch und Zwiebel fein hacken, Frühlingszwiebel schräg in feine Ringe schneiden. Parmesan reiben, Basilikum waschen und nach belieben schneiden.
  2. 1 EL Butter schmelzen, Knoblauch, Zwiebel, Frühlingszwiebelringe und etwas Zitronenschale/-zesten darin anschwitzen.
  3. Risottoreis dazugeben, bis er glasig wird, dann mit Weißwein abgießen.
  4. Pinienkerne in eine Pfanne geben (einen Boden voll) und bräunen. Achtung, sie verbrennen leicht.
  5. Die Messerspitze Kurmkuma dient einer leichgelben Farbtönung. Man kann es weglassen, dann wird’s weiß oder mehr dazugeben, dann wird’s gelber.
  6. Nun nach und nach die Brühe zugeben und verkochen lassen, immer bis es „schlorkt“. Wenn der Reis leicht bissfest ist, ist das Risotto fertig.
  7. Dann nicht mehr kochen, den Parmesan und den Rest Zitronenschale/-zesten reinrühren und mit Pfeffer&Salz und Zitronensaft abschmecken. Ein paar Butterflöckchen und die Pinienkerne einrühren.

Schmeckt zu feinem grünen Spargel und Pinot Gris.

Sylter Systemgastronomie

Es war wohl in der Zeit, als auch die kleineren Städte beschlossen, dass eine Markthalle die Innenstadt erheblich aufwerten würde, was dann mit viel finanzieller Unterstützung umgesetzt wurde, nie zum Erfolg führte und die alteingesessene Gastronomie so nachhaltig schädigte, dass schnell Platz für Schnellrestaurants wurde. In dieser Zeit traf ich das erste Mal auf Sylter Systemgastronomie. Sylt, dass war diese Insel, auf die die Mutter eines Freundes immer fuhr, mit dem Cabrio und dem lustigen schmalen Aufkleber neben dem Nummernschild. Ganz so, wie es Florian Illies später in Generation Golf beschrieb. Nun konnte diese Mutter endlich auch außerhalb von Sylt in diesen Laden, in den immer alle gingen und dort eine Krabbensuppe essen und dazu Champagner trinken. Sie war eine der wenigen. Allerdings wirkte der Laden recht exklusiv in der Stadt, dass er in jeder weiteren größeren Stadt mal ein bis zwei Filialen haben sollte, wer konnte das schon ahnen.

Nun ergab der Urlaub eine Reise durch Schleswig-Holstein und dort war neben dem bekanntesten Vertreter des Sylter Systems auch die ein oder andere Lokalität zu finden, die sich ebenfalls damit rühmte, von der mondänen Insel zu stammen.
Sylt, das ist schicke Autos, Champagner, wilde Parties, FKK und was weiß ich noch, ich war dort ja nie, mir reichte es, dass die Ärzte in den 80ern von Westerland sagen und später auch Reinhard Mey dazu etwas beitrug. Dieter Bohlen warb für die Sansibar, all das verleidete mit die Reiselust dorthin schon sehr. Sylt wirkt auf mich wie ein vergangener Glanz aus den 60ern und zwar nicht in der coolen James-Bond-Ästhetik.
Das geht vielen wohl nicht so, denn die Lokalitäten entlang des Wegs waren voll, voll mit Menschen aller Jahre, deren Frauen vor allem viel Gold an allen möglichen Stellen trugen und Tigerprint dazu, während die Männer gerne weiße Shorts um ihre schlacksigen Beine schlottern ließen. Man war berreit für das Sylter Erlebnis Preise zu zahlen, die der vermeintlichen Mondänität angepasst schienen.

Um es kurz zu machen: In einem Lokal habe ich gegessen und noch nie habe ich ein Essen so schnell wieder zurückgehen lassen. Vor einem anderen Lokal warf ich kurz einen Blick auf die Karte und dann auf den Veneziano, den alle so falsch als Aperol Sprizz bezeichnen. Etwas verblasst wirkte er für die hohe Summe.
Die von Italienern betriebene Bar nebenan konnte diesen Farbton besser und alles andere auch. Außerdem hatte man dort seine Ruhe. Win-Win, würde ich sagen. Und Sylt, nix für ungut, aber ich werde dich wohl nie besuchen.

Kulinarische Katastrophen

Formschub fragt nach kulinarischen Katastrophen und ja, da habe ich direkt eine im Angebot. Vorweg sei gesagt, es ist niemand zu Schaden gekommen, selbst die Zutaten hatten ihre beste Zeit schon hinter sich.

Es war kurz nach der Hochzeit mit der Liebsten, die dazugehörige Reise sollte entspannt sein und ging auf den Darß, bzw. zum anliegenden Bodden, eher außerhalb in ein Ferienhaus eines Freundes, an einer Landstraße weit entfernt von Irgendwas.

Das Haus allerdings war gut, es gab einen Herd, von dem man die Bodenplatte entfernen konnte und durch einen Schamottstein ersetzen. Das ergab einen prima Pizzaofen, der nah an die professionellen Geräte in den italienische Restaurants heran kommt. Jedenfalls war die Pizza in zwei Minuten fertig, die Verunglückte ergab eine prima Calzone.

Es gab auch prima Kochbücher mit regionalen Rezepten, eines, ein Schweinefilet mit Gurken-Senfsauce, machen wir noch heute. Ein anderes ging über Hirschrouladen mit pilzgefüllten Wirsingtaschen. Da ging es dann los.

Den Hirsch bestellten wir, zurück in der Heimat, in einer naheliegenden Pferde- und Wildschlachterei. Ausgepackt zeigte sich, dass es eher ein Unfallhirsch war, die Scheiben waren recht grob geschält, an Rollen war nicht zu denken. Für die Wirsingtaschen bekamen wir nur noch ein paar Restpilze, die nach einigem Spülen und Aussortieren doch noch erstaunlich glitschig wirkten. In Verbindung mit etwa flüssigem Ricotta tat das Wasserbad ein Übriges, dazu die Hirsch… ballen.

Es ist wirklich gut, dass es Pizzabringdienste gibt und Wirsing mag ich bis heute nicht mehr sehen.