CocoonDance: Momentum

Es zuckt noch!

Doch, doch, auch wenn man auf dem Land wohnt erlebt man manchmal Kultur. Dazu muss man zwar in die Stadt fahren, aber es gab einen Anlass und der wurde genutzt.
Es ging in die Eisfabrik, eine Kulturstätte in einer ehemaligen, nun, Eisfabrik. Die Räume wurden schon vor vielen Jahren umgestaltet und dabei nett rau gelassen. Es sieht so aus, wie sich heute die ganzen Burgerbratereien geben.
Gegeben wurde Tanz. Zur Musik eines DJs zuckten drei Körper, bewegten sich, schlängelten, tanzten.
Ich bewundere diese Kulturform, weil ich sie nicht verstehe. Wie probt man so etwa, wie merkt man sich die Choreographie, was ist Improvisation, was festgelegt?

Momentum von CocconDance ließ diese Fragen vergessen. Am Rand der Bühne aufgestellt, fühlte ich mich schnell einbezogen in die Performance. Die drei männlichen Tänzer lagen uns zu Füßen, das Gesicht zum Boden, in ein Tuch gehüllt, man konnte die Gesichter nicht erkennen. Ein sehr dumpfer, pulsierender Beat ließ die Show starten, die Tänzer zuckten, es war nicht ganz klar, ob sexuell konnotiert oder doch eher hospitalistisch geprägt. Später torkelten sie durch den Raum, kämpferisch, trunken, freundschaftlich verbunden. Sie kamen nah, sie verschwanden wieder und immer blieb eine ganz suberversive Form von Angst im Raum, bei den Zuschauern, bei den Tänzern, das war nie ganz klar. War es Volkstanz oder Entführung, man weiß es nicht. Endlich nahmen sie Masken ab, aber verstärkte noch die Unsicherheit, diese Blicke, der direkte Augenkontakt, junge Männer, mit Bärten, Vollbart. Hipster oder Islamist, es konnte alles sein. Sie pumpen, atmen, torkeln, wanken, springen, der Beat dazu dichter, drängender, fordernder, alle wippen mit, die Knie, die Köpfe bis es in einem Schrei endet.

Nach einiger Stille Applaus. Die Tänzer lächelten.

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2017

So, wie war denn 2017?

1. Zugenommen oder abgenommen?
Eher abgenommen, nur leicht, aber es macht mir Sorgen. Guter Vorsatz für 2018: regelmäßig gut essen.

2. Haare länger oder kürzer?
Vorne kürzer, oben länger. Die blonden Strähnen verbreiten sich langsam.

3. Mehr bewegt oder weniger?
Immer mehr, immer mehr Wandern. Hat ja auch zu einem eigenen Wander-Blog geführt.

4. Der hirnrissigste Plan?
Krank in Wales wandern. Gesund in Wales Wandern war aber genau genommen der Plan, also, hm.

5. Die gefährlichste Unternehmung?
Nix.

6. Die teuerste Anschaffung?
Einmal alle Merino-Pullis gegen Baumwolle austauschen, wegen allergischer Reaktionen.

7. Das leckerste Essen?
Hm. Vieles lecker, nix besonderes dabei.

8. Das beeindruckendste Buch?
Beeindruckend, och. Lauter Jasper Ffforde gelesen, die Drachtöterin, Thursday Next, grad die ersten Bände sind da sehr witzig.

9. Der beste Sex?
*hier Tigerlachen einfügen*

10. Der ergreifendste Film?
War der Film über Florence Forster Jenkins dieses Jahr? Den fand ich gut.

11. Die beste CD bzw. der beste Download?
Sophia Ensemble, ein nordisches Vokalensemble.

12. Das schönste Konzert?
Zu Weihnachten mit dem Chor, in dem ich seit diesem Jahr singe. Tolle Leute, großer Spaß.

13. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Mit Schule und Elterngesprächen. Aber ich konnte es über das Jahr abbauen und mache damit weiter, also mit dem Abbauen.

14. Die schönste Zeit verbracht mit …?
…der Frau auf Wanderungen im Chor.

15. Vorherrschendes Gefühl 2017?
Anders als letztes Jahr: erst Stress, dann Erleichterung. So kann das weitergehen.

16. 2017 zum ersten Mal getan?
Den Neffen über’s Wochenende da gehabt. Guter Plan, gerne wieder. Außerdem ein Hochbeet gebaut, dort Kräuter angebaut und getrocknet.

17. 2017 nach langer Zeit wieder getan?
Im Chor gesungen. Gute Sache!

18. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Die Milbenallergie. Die Zahnprobleme. Der Pastorenwechsel in der Gemeinde.

19. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
„Wir kommen mit weniger auf der Tour aus!“

20. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Hm (Vorsatz: mehr schenken!)

21. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Hm (ich brauch ja nix.)

22. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Irgendwas romantisches zu meiner Frau wahrscheinlich.

23. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Irgendwas romantisches von meiner Frau wahrscheinlich.

24. 2017 war mit einem Wort …?
…halt so ein Jahr wie viele.

2016

Hm, das letzte Mal habe ich darüber 2014 geschrieben. Ich bin ja ein Blog-Profi.

1. Zugenommen oder abgenommen?
Weder noch. Aber immer noch zu wenig.

2. Haare länger oder kürzer?
Weder noch. Die Gehheimratsecken wachsen, der Schnitt passt sich an. Der Lieblingsfriseur redet davon, dass ich immer blonder werde.

3. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr. Viel Wandern, Vorbereitungstraining vor dem Laptop zu Youtube-Videos im Keller (Manuels Skigymnastik!).

4. Der hirnrissigste Plan?
Die Bewerbung als Schulleiter. Zum Glück wurde das nix. Jetzt die harte Arbeit aus allen Arbeitsgruppen rauszukommen, die ich betreten habe, um Präsenz und Interesse zu zeigen. Aber insgesamt auf die Füße gefallen.

5. Die gefährlichste Unternehmung?
Einmal über die Alpen. Es gab zwei Stellen, wo mir schwindelig wurde, aber ich habe es geschafft und es war fantastisch.

6. Die teuerste Anschaffung?
Ein neues Dach.

7. Das leckerste Essen?
Die Spaghetti Bolognese auf 3000m Höhe nach 1200m Anstieg. Beste!

8. Das beeindruckendste Buch?
Isabos Pfau. Wobei mich vor allem die Geschichte um die Entstehung und der Erfolg beeindruckt haben, aber das Buch ist auch gut.

9. Der beste Sex?
*hier Tigerlachen einfügen*

10. Der ergreifendste Film?
Hier müsste ein Fernsehfilm stehen, weil ich es kaum ins Kino geschafft habe. Immerhin in „Monsieur Chocolat“ war ich und fand den auch gut.

11. Die beste CD bzw. der beste Download?
Ein Sammlung mit Kammermusiken von Arvo Pärt: „Creator Spiritus“ mit Paul Hillier, Theatre of Voices, Ars Nova Copenhagen u. a.
Außerdem mal wieder ein Elektroalbum, Sinus von Melokind.

12. Das schönste Konzert?
Ich durfte auf dem Opernplatz 100 Bläser dirigieren, während Markus Stockhausen darüber Trompete spielte. Jetzt muss ich nur noch im Lotto gewinnen, dann mach ich das an den Maschteichen mit 500 Bläsern. Tschakka.

13. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Gefühlt mit Schule und Elterngesprächen.

14. Die schönste Zeit verbracht mit …?
…der Frau auf Wanderungen.

15. Vorherrschendes Gefühl 2016?
Erst Erleichterung, in der zweiten Hälfte Stress. Das muss wieder anders werden.

16. 2016 zum ersten Mal getan?
Karriere verweigert. Berge zu Fuß überquert. Einen Urlaub ohne Wandern doof gefunden. Wintergewandert.

17. 2016 nach langer Zeit wieder getan?
Einen alten Freund getroffen, gleich wie damals gefühlt. Bei einem Konzert Posaune gespielt. Einen Tag im Bett verschlumpft.

18. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Die Milbenallergie. Die Zahnprobleme. Das neue Dach.

19. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
„Wir kommen mit weniger auf der Tour aus!“

20. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Die Neugier über eine körperliche Auffälligkeit, die derjenige inzwischen hat erfolgreich behandeln lassen.

21. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der Schnaps auf 3000m, den die Unbekannten mit uns teilten.

22. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Irgendwas romantisches zu meiner Frau wahrscheinlich.

23. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Irgendwas romantisches von meiner Frau wahrscheinlich.

24. 2016 war mit einem Wort …?
Wechselhaft.

Nachtrag Digitalisierung

Für fünf Milliarden mach ich das!

Nachdem bekannt wurde, dass fünf Milliarden für die Digitalisierung der Schulen in Deutschland bereit gestellt werden sollen, bilden sich zwei Meinungen heraus. Auf Seiten der LehrerInnen gibt es den Wunsch, erst mal dringendere (wortwörtlich gemeinte) Baustellen anzugehen. Dies wiederum führt zu Verwunderung, grad im Lager der IT-Spezialisten, für die digitale Bildung natürlich die zeitgemäße, zukunftsweisende Form des Lernens ist.

Ich selbst finde die allzu offene Ablehnung der KollegInnen auch etwas merkwürdig, allerdings verstehe ich, dass man geheizte, saubere Toiletten mit Brille und Deckel durchaus reizvoll findet. Auch die Personalsituation ist verbesserungswürdig. Krankheitsvertretungen gibt es kaum und eine Schule gilt ja schon als gut besetzt, wenn 95% des Unterrichts gedeckt ist. Fachunterricht wird dabei kaum beachtet, wenn’s nur Sportlehrer hat und man eigentlich Musiklehrer bräuchte… na, hauptsache 95%. Mathematiker können bestimmt auch 95% = 100% setzen.
Der anderen Seite könnte man vermittelnd sagen, dass es vor allem an einem Konzept für die Nutzung der fünf Milliarden fehlt und dazu habe ich ein aktuelles Beispiel:

Wir haben vier InteractiveBoards an der Schule. Diese wurden günstig gekauft und aufgebaut, ein Messeangebot. Die PCs wurden von einem Elektro-Lehrgang eines Berufsbildungswerks angeschafft und eingerichtet. Die Auszubildenden kannten sich aber weder mit Schulgewohnheiten aus (Grundschüler sollten nicht überall zugreifen können), noch mit den Eigenheiten eines Smart-Boards. Irgendwann hatten alle die Nase voll, dass man eigentlich nur große Monitore hatten und die mitgelieferten Stifte nicht funktionierten. Die Azubis konnten es nicht lösen, nach einem Jahr durften wir den Vertrag lösen, schauten zu zweit selbst, redeten mehrfach über den Wunsch nach Technikern. Zwei Jahre dauerte dieser Prozess. Heute waren zwei Herren da, die in drei Stunden vier Boards zum Laufen brachten. Einfach so, weil sie Ahnung hatten. Sie bekommen viel Geld dafür und ich finde zurecht. Das nächste Mal können wir sie uns aber erst wieder 2020 leisten. Dafür arbeiten die SchülerInnen halt mit OpenOffice.
Es fehlte uns einfach die Kenntnis über all die Möglichkeiten von PCs und deren Peripherie, über Apps und Programme. Vor allem fehlt die Zeit, diese Kenntnis zu erwerben und zu überlegen, wie wir sie sinnvoll in der Schule einsetzen. Wir sind Lehrer und keine Techniker. Wir werden im Unterricht benötigt und wir haben nur 95% und es ist Erkältungszeit.

Mit Konzept wären fünf Milliarden super aufgehoben in Schulen, vielleicht für Zeugnissoftware, Schulverwaltungssoftware, Lernprogramme, IT-Konzepte und Cloud-Systemen speziell für Schulen. Ich wäre auch bereit, so ein Konzept zu entwickeln und umzusetzen. Aber nur mit einem Büro im Kultusministerium. Dort soll es warme Toiletten geben.

#12von12 September 2015

Mach ich auch mal.

Eine schöne Übung, um seinen Alltag zu beobachten. Was macht man eigentlich den ganzen Tag, festgehalten in 12 Bildern. Ganz praktisch ist dieses Mal, dass es am Wochenende ist.


Heute z. B. wartete ich darauf, ein neues Telefon bestellen zu können und dann konnte ich mich nicht entscheiden. Dann halt morgen.


Außerdem war Putztag: Bad, Küche und Wanderschuhe. Man müsste überhaupt mehr über’s Wandern schreiben.


Die Tomaten gehen übrigens grad ab.


Während die Zahnputzbecher heute Panik schoben.


Die Getränke des Tages sind hier in der richtigen Reihenfolge geordnet.


Die übliche Recherche im Internetz ergibt auch nicht Neues.Ich hätte echt gerne eine Parker, aber… (s. Bild 1).

Wie ich mal nicht mehr 17 sein wollte

„Feel’s like I’m 17 again“ singt das Radio. „Nee“ denk ich.

Ist es ein gutes Gefühl. Nein, denke ich, ist es nicht. Ich will nicht mehr 17 sein und mich schon gar nicht so fühlen. 17 sein heißt:

  • Zuhause wohnen
  • Kaum Geld haben
  • Damit auch: Keine Reisen
  • Kein ordentlicher Wein, viel Bier
  • Keine Ahnung von guten Cocktails oder Rum
  • Billige Autos
  • Schlechtes Essen
  • Schlecht sitzende Kleidung
  • Wenig Körperbewusstsein
  • Wenig Fitness
  • Kein Internet
  • Techno
  • Fehlende Akzeptanz meiner Musik durch Freunde
  • Kein Sex
  • Keine Partnerschaft
  • Schlechte Kosmetik
  • Hautprobleme

Soll ich weitermachen? Heute esse ich besser, bin besser trainiert, bin finanziell unabhängig, habe regelmäßig Sex, habe alles probiert, was zum erfolgreichen Leben gehört und kann darauf verzichten (teures Essen, teure Hotels, große Autos, teure Kleidung). Und ich stehe zu mir und dem, was ich tue. Das soll ich tauschen? Fragt mich mit 50 noch mal.

2014

Ich habe ein Blog, also mache ich auch ein Jahresrückblicksstöckchen. So.

1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Endlich und dauerhaft, fast ein ganzes Kilo. Nach einer Magen-Darm-Geschichte war ich dramatisch auf unter 50 Kilo gefallen und hatte beschlossen, dass ich mehr Reserven brauche. Also fing ich an darauf zu achten, regelmäßig zu essen. Morgens, Vormittags, Mittags, Nachmittags, Abends. Läuft.

2. Haare länger oder kürzer?
Länger. Der Versuch, die Geheimratsecken durch kürzere Haare zu verschleiern war irgendwie nix. Mit meinem Seitanscheitel sah’s eher nach Adolf aus. Jetzt Popperschnitt, aber wat willste machen.

3. Mehr bewegt oder weniger?
Weniger. Durch den Hauskauf fällt die tägliche Fahrradstrecke aus. Trotzdem bringt die Muckibutze mehr, weil ich entspannter trainiere. Immerhin.

4. Der hirnrissigste Plan?
Meine Pläne hirnrissig? Pah! (Andererseits dachte ich wirklich, ich könnte regelmäßig bloggen, haha.)

5. Die gefährlichste Unternehmung?
Eine 2-Tageswanderung am Lieserpfad. Nicht wirklich gefährlich, aber die Knie haben sich beschwert.

6. Die teuerste Anschaffung?
Die Abdichtung der Kellerwände und eine neue Terrasse. Dazu das Vorgartenniveau um 10cm erhöht. Jetzt nur noch den alten Schuppen einreißen, den Zaun dahinter streichen, das Haus streichen, einen neuen Schuppen aufbauen…

7. Das leckerste Essen?
Im Sommer, im „Ich weiß ein Haus am See“. Selbst gekocht: Lammragout.

8. Das beeindruckendste Buch?
Ich versuch mich ja immer wieder mit E-Readern, was einigermaßen anstrengend ist (eingeschränktes Angebot, wenig in der Bücherei zu leihen). Viel gelesen habe ich die Geschichten über Londons Zauberwelt von Ben Aaronovitch. Als reales Buch hat mir „Handbuch für Detektive“ von Jedediah Berry gefallen. Schön skurril.

9. Der beste Sex?
*hier Tigerlachen einfügen*

10. Der ergreifendste Film?
Hier müsste ein Fernsehfilm stehen, weil ich es kaum ins Kino geschafft habe. Immerhin in „Grand Budapest Hotel“ war ich und fand den auch gut.

11. Die beste CD bzw. der beste Download?
„Aventine“ von Agnes Obel und „Ya Nass“ von Yasmin Hamdan. Gefallen mir sehr gut.

12. Das schönste Konzert?
Die tollsten musikalischen Erlebnisse finde ich oft nicht mehr in Konzerten, da habe ich zuviel zu kritisieren (Musikalität, Ablauf, Kleidung, Bewegung, …). In der Schule hatten wir drei Burschis, die Jazz studieren und die waren der Knaller. Eine irre Energie war im Raum, die auch die Schüler mitriss. Außerdem haben sie sehr cool auch die pubertären Schüler auf ihre Seite gezogen. Toll!

13. Die meiste Zeit verbracht mit …?
Gefühlt mit Schule und Elterngesprächen. Eine inklusive und alternative Schule im Aufbau verlangt das wohl.

14. Die schönste Zeit verbracht mit …?
…der Frau.

15. Vorherrschendes Gefühl 2014?
Puh.

16. 2014 zum ersten Mal getan?
Zwei Tage hintereinander gewandert. Einen Weihnachtsbaum gekauft und aufgestellt. Mit der Frau gestritten.

17. 2014 nach langer Zeit wieder getan?
Rock gespielt, mit Kollegen. Venedig besucht. War superer als beim ersten Mal.

18. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Der Streit mit der Frau. Der Tod der Mutter einer Schülerin, die bei uns auch eine AG leitete. Die Dauererkältung, die nur eine verschärfte Form der Milben-Allergie ist.

19. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mathe ist nicht schlimm. Das ist eine schwere Aufgabe.

20. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ich bin ein sehr schlechter Schenker. Vielleicht ist es, dass ich mir Zeit genommen habe für jemanden, mit dem ich sonst wenig zu tun haben.

21. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der Crément nach der anstrengendsten Woche in meinem Leben. Die Zeit, über die Woche reden zu können. Die Tränen weinen zu dürfen, die dazu gehören.

22. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Ich halt es nicht aus, wenn wir streiten.“

23. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Ich halt es nicht aus, wenn wir streiten.“

24. 2014 war mit einem Wort …?
Puh. (2015 darf mal ruhiger werden.)

Das Problem der Welt an der Drogeriemarktkasse

Die Protagonistinnen und Protagonisten:

  • Der Pakistani: Ich nenne ihn so, weil er mich an den Vater eines Freundes pakistanischer Herkunft erinnert. Ein älterer Mann mit einem beneidenswert prächtigen Bart, akkuratem Haarschnitt, Tuchhosen und gestärktem Hemd. Er kassiert im Drogeriemarkt, hätte aber offensichtlich lieber einen Job, auf den er stolz sein kann. Sein Deutsch ist verständlich, aber knapp und unmelodisch.
  • Die russischen Freundinnen: Ob sie wirklich reich sind, weiß man nicht. Ob sie wirklich russisch sind, weiß man nicht. Ihre Sprache, ihr Gehabe, ihre Gesichtsform und ihr Hang zu güldenem Geschmeide legen es aber nahe.

Was passiert:

  • Es gibt eine kleine Schlange an der Drogeriemarktkasse, es ist irgendein Nachmittag. Das Wetter ist nicht mehr sommerlich, aber auch noch nicht herbstlich
  • Ich kaufe etwas, was ist egal, wichtig ist nur, dass ich in der Schlange stehe und darauf warte, dass die zwei Freundinnen vor mir abkassiert werden. Es liegen viele Kosmetika auf dem Band, ich trage irgendetwas Schweres und möchte es ablegen.
  • Die Damen sind mit sich und ihren Mobiltelefonen beschäftigt, es sind wertige Telefone, gold und weiß und von Apple. Sie reden laut und viel, miteinander, aber auch in ihre Telefone.Sie haben Zeit, sie haben Freunde, mit denen sie reden müssen und (zumindest tun sie so) sie haben Geld.
  • Der Pakistani sitzt an der Kasse. Er möchte nicht bedienen, er möchte richtig arbeiten. So wirkt er. Er wirkt auch, als würde er die Damen hassen. Sie zeigen Ignoranz und keinerlei Respekt, sie passen nicht auf, sie hören nicht zu, sie stellen Reichtum, Jugend und Schönheit ungeniert zur Schau. Er fragt nach den Treuepunkten oder irgendetwas, was jeder Mensch an einer Kasse fragen muss. Aber er spricht schlecht Deutsch und die Freundinnen hören nicht zu.
  • Er fragt erneut nach, vernuschelt, frustriert und genervt. Die Freundinnen nehmen ihn wahr. Das lassen sie sich nicht bieten. Sie sind jung und schön und reich. Sie pflaumen den Mann an, was er überhaupt wolle, sie telefonieren, ey, und überhaupt, was willst du Typ, willst du mich anmachen. Man versteht sie kaum, sie haben einen starken Dialekt. Deutlich wird nur die Aggression. Man spürt den Willen zur Überlegenheit. Man spürt all die Unsicherheit, den Willen, mehr zu sein.
  • Auch der Mann wird ungehalten, es folgen gemurmelte Schimpfworte in Landessprache auf allen Seiten, aber es wird bezahlt und es wird lautstark das Ladengeschäft verlassen.
  • Ich lege erleichtert das Schwere ab und denke an das Schicksal der Welt. Dass ich das Grundproblem wahrscheinlich gerade erlebt habe. Und ein weiteres dazu: Dass ich selbst nicht weniger überheblich bin.

Talken

Das iPad ist eine gefährliche Konkurrenz für die traditionellen Talkerhersteller. Aber ist das ein Grund, ahnungslose Eltern und Lehrkräfte zu betrügen?

Es ist so: meine Nichte redet jetzt nicht ganz so deutlich. Das hat Gründe, ist für sie aber kein Problem, notfalls zeigt sie mit Grundgebärden, Mimik, Gestik und rudimentären Lauten, wie der Hase zu laufen hat.

Trotzdem kam die Frage auf, ob sie ein elektronisches Hilfsmittel benötigt (Die Antwort heißt: Nein!). Die Klassenlehrerin, recht jung noch und neu im Job, ließ sich bei einer Vorführung dieser elektronischen Hilfsmittel, Talker genannt, begeistern und drängte darauf, so ein Gerät anzuschaffen. Weil aber so vieles auf so vielen Ebenen an dieser Entscheidung kaputt ist und man es vehement ablehnen muss, gibt es hier eine kleine Checkliste, welche Überlegungen man für die Anschaffung und Nutzung eines Talkers machen muss.

  • Hat das Kind ein Kommunikationsproblem?
    Es gibt Kinder, die haben enorme Schwierigkeiten eine verbindliche Kommunikation aufzubauen. Es gelingt oft weder verbal, noch mimisch oder gestisch, auch gebärdengestützte Kommunikation ist nicht möglich. Diese Kinder entdecken oft Symbole als Möglichkeit sich zu äußern und nutzen begeistert Symbolbücher. Das sind kleine Ringordner mit einer handvoll relevanter Bilder, die sie dann anstarren können, darauf zeigen oder ähnlich verbindlich ihre Wünsche äußern können.

    Falls Sie sich grad nicht sicher sind, ob das für ihr Kind interessant ist, stellen Sie sich zwei Fragen:
    a) Wie reagiert ihr Kind, wenn es ein Spielzeug von einem anderen Kind haben möchte. Nutzt es eine spontane Äußerung, egal wie unverständlich diese ist und hat am Ende das Spielzeug. Oder können Sie sich vorstellen, dass es sich Zeit nimmt, um ein Symbol herauszusuchen?
    b) Stellen Sie sich vor, ihr Kind soll Brötchen holen. Wird es Symbole heraussuchen, wenn es nicht dazu gezwungen wird?

    Wenn es schon die Bücher nicht nutzt, wird es den Talker nie nutzen.

    Der Vertreter aber spricht vom hohen Anreiz der Elektronik? Der Reiz ist vergleichbar mit dem eines Spielzeugs. Jeder spielt gerne, auch ihr Kind. Aber es muss den Nutzen des Talkers als Kommunikationsmittel begreifen. Der Spielaspekt muss zweitrangig sein.

  • Wer entscheidet über die Anschaffung eines Talkers?
    Die Entscheidung, einen Talker anzuschaffen, muss von einem Gremium getroffen werden und das besteht nicht aus dem Vertreter der Herstellerfirma. Neben vertrauten Sprachtherapeutinnen und -therapeuten gehört das pädagogische Team der KiTa oder der Schule und vor allem die Eltern. Die müssen das Gerät vorgestellt bekommen und sollen schließlich damit arbeiten. Läuft es anders, würde ich es ablehnen, damit zu arbeiten. Letztlich hat die Krankenkasse auch noch ein Wort mitzureden. Die wollen ihre eigenen Geräte ans Kind bringen. Seine Haltung durchzusetzen kann ein großer und teurer Kampf werden.
  • Wenn wir aber einen Talker wollen, was dann?
    Wenn das Kind das Symbolbuch rege nutzt, alle Beteiligten den Mehrwert für das Kind erkennen und in Alltag und Schule Fortschritte zu erkennen sind, dann redet man über Talker. Lassen Sie verschiedene Firmen kommen, fordern Sie, die Geräte für mindestens eine Woche auszuprobieren. Falls die Vertreter nicht wollen, signalisieren Sie, dass es andere Firmen gibt, die das durchaus machen. Sie müssen ja nichts kaufen. Machen Sie sich Gedanken und einen Plan, wie es zuhause, in der Therapie und in der Schule genutzt werden soll.
  • Wie teste ich einen Talker?
    Probieren Sie folgende Wörter: „Pinguin“, „Leguan“ und „Papierkörbe“. Diese Wörter werden häufig von Computerstimmen falsch ausgesprochen. Das kann man korrigieren, aber es muss einfach gehen. Lassen Sie es sich zeigen und probieren Sie es dann selbst.
    Lassen Sich einfach eigene Symbole zufügen und mit Text versehen? Das ist wichtig! Schließlich hat jedes Kind Redewendungen und Lieblingslieder und -spielzeuge, die es einfordern können muss.

    Aber: Sie müssen damit arbeiten und es verwalten, Sie müssen es verstehen.

  • Was steckt hinter einem Talker?
    Schauen Sie sich das Gerät an. Talker sind keine Wunderwaffen, es sind PCs oder Tablets mit Zusatzsoftware. Steckt ein iPad dahinter, sind Sie besser dran, wenn Sie ein iPad kaufen. Suchen Sie mal nach Letterpad mini von RehaVista. Unter uns: das ist ein iPad mini mit einem wasserdichtem Case und der MetaTalk-App und das gibt es für ein Drittel des Preises, auch ohne Apples Education-Rabatte. Sie haben aber deutlich mehr Möglichkeiten für weitere Apps. Da gibt s viel zu entdecken. Da gibt es aber auch viele Angebote, die an Gaunerei und Betrug grenzen.
  • Warum sagt mir das keiner?
    Die Firmen wollen weiterhin verkaufen, es ist ein lukrativer Markt.
    Die Lehrerinnen und Lehrer wollen Lösungen, um im Unterricht besser kommunizieren zu können und haben oft keine Ahnung von der Technik. Man wird dafür nicht ausgebildet.
    Die Sprachtherapeutinnen und -therapeuten kennen Talker, oft aber nicht die Alternativen. Es sagt ja niemand etwas.

    Sie wollen das Beste für ihr Kind. Da ist ihnen jedes Hilfsmittel recht, jedes ist ein Strohhalm, endlich ihr Kind zu verstehen. Das ist in Ordnung. Aber schaffen Sie nichts an, das ihnen mehr Arbeit als nötig macht.